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Würdevolle Bestattungen nach langem Leidensweg

Nur wenige Menschen haben das Glück, in fortgeschrittenem Alter friedlich aus einem aktiven Leben zu scheiden. Wie etwa Schauspieler Axel Milberg über seine Eltern berichten kann: «Wenn wir es uns aussuchen könnten, wie wir sterben, dann vielleicht beim Abendessen mit Freunden, wo es plötzlich ‹patsch!› macht. Und bevor ich mit dem Körper auf den Boden aufschlage, bin ich schon tot. In launiger Runde zwischen Hauptgang und Dessert im Kreis von Freunden und Familie. Oder auf einer Reise. Meine Eltern sind gestorben, ohne krank gewesen zu sein. Ich musste nach dem Tod meiner Mutter 13 gebuchte Reisen stornieren, die sie geplant hatte! Das hat uns sehr getröstet.»

Was aber macht man, wenn dem Tod eines geliebten Menschen ein langer Leidensweg vorausgegangen ist? Wenn zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen noch weitere albtraumhafte Erfahrungen dazugekommen sind? Wenn der Amts-Schimmel nicht nur wieherte, sondern unter jahrelangen Brech-Durchfall gelitten hat? Man marschiert quer durch die Hölle – und versucht am Ende trotz allem einen friedlichen Schlusspunkt zu setzen.

Wenn dem Tod eines geliebten Menschen eine schmerzvolle Zeit vorausgegangen ist, kommt einem friedlichen Abschied eine besondere Bedeutung zu. Als Angehöriger braucht man einen Ort, ein Symbol oder ein Erlebnis, das einen versöhnlichen Schlusspunkt setzt. Das ein bisschen Leichtigkeit hineinbringt in eine Zeit voller Schwere & Bedrücktheit. Vielleicht reist man mit der Asche ans Meer und organisiert eine schöne Wasser-Bestattung in einer Gegend, wo der Verstorbene mit den Gezeiten verschmelzen wollte. So will sich etwa Schauspieler George Clooney nach seinem Tod verbrennen lassen und die Asche an die Familie und die engsten Freunde verteilen. «Jeder wird dann einen Teil der Asche an einem Ort verstreuen müssen, an den ich nie gereist bin. Das wird die letzte Gelegenheit für mich sein, die Welt zu sehen.» Im Testament hat er auch seine Bereitschaft zur Organ-Spende festgehalten, musste sich aber vom Notar sagen lassen, dass seine Leber wohl niemand mehr nehmen würde …

Andere haben es lieber handfester und reservieren bereits frühzeitig die letzte Ruhestätte. Einmal neben Marilyn Monroe zu liegen – dafür hätte manch ein Mann zu Lebzeiten der Diva so einiges gegeben. Posthum sicherte sich Playboy-Gründer Hugh Hefner ein schattiges Plätzchen neben der Hollywood-Legende. Er kaufte sich das Grab neben jenem der Monroe im Westwood Memorial Park in Los Angeles. Einst war Marilyn sein erstes grosses Nackedei im Playboy. «Und irgendwann», so der in die Jahre gekommene Hefner mit ein bisschen Vorfreude, «wird sie mein letztes Date sein.»

Und der eine oder andere verbittet sich ganz ausdrücklich das heuchlerische Gesülze, das so manche Beerdigung begleitet. Wie etwa der 2015 verstorbene Münchner Gastronom Gerd Käfer. Für seine Beerdigung hatte (Feinkost-)Käfer bereits zu Lebzeiten alles geplant. Der Perfektionist wollte seine «letzte Party», wie er seine Beerdigung nannte, nicht aus den Händen geben. Schon Jahre vor seinem Ableben kündigte er an: «Ich will die grösste Beerdigung aller Zeiten haben. Der Regisseur bin nämlich ich. Ich halte meine Grab-Rede vom Band. Ich werde 1000 Trauer-Gästen, die später in einem Käfer-Zelt auf meine Kosten schlemmen, per Kassette mitteilen, dass ich Heuchler, Schleimer und Geizkrägen im Jenseits noch mehr verachte als zu Lebzeiten. Zum Schluss werde ich sagen: Spart euch eure überflüssigen Grab-Reden. Ich weiss selbst, was für ein Mensch ich war. Im Zelt soll Bernhard Paul einen grossen Zirkus abziehen. Warum soll der Tod nicht so komisch sein wie das Leben?»

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