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10
Dez

60'000 Gedanken & Gegenstände

Veröffentlicht von am in BesserFernsehen
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Ich habe kürzlich eine verblüffende Feststellung in Bezug auf die Zahl 60'000 gemacht. Eigentlich eine ganz simple Geschichte – doch dahinter verbirgt sich ein Ozean an weiterführenden Überlegungen & interessanten Erkenntnissen.

Das kam so: Unlängst stand eine Wohnungs-Räumung bei meinem Vater an, der lange Jahre an der sogenannten Messie-Krankheit gelitten hatte. In diesem Zusammenhang versuchte ich ganz grob die Anzahl Gegenstände abzuschätzen, die es zu entsorgen galt (auch wenn für Mulden-Betreiber nur Volumen & Gewicht relevant sind ...). Und ich kam auf gut 100'000 Dinge – wohlgemerkt in einer schwierigen Extrem-Situation.

Da gerät man natürlich – in vielerlei Hinsicht – ins Grübeln. Und stellt sich bald einmal die Frage, wie viele Gegenstände denn ein ganz normaler Durchschnitts-Bürger hierzulande besitzt bzw. hortet. Nur so ungefähr natürlich. Und ich begann ein bisschen zu recherchieren. Dabei las ich aus verschiedener Quelle, dass ein Durchschnitts-Europäer rund 10'000 Dinge besitzen soll. Keine Ahnung, wer das alles nachgezählt hat – aber diese Zahl ist viel zu niedrig. Ich habe daraufhin mal eine kleine „Hochrechnung" bei mir selber und zwei weiteren Haushalten durchgeführt – und siehe da: Ich kam auf (jeweils) rund 60'000 Gegenstände. Und wir sprechen hier nicht von Sammlern, auch wenn wir natürlich alle unsere kleinen Vorlieben & Schwächen für gewisse Dinge haben (wie wir noch sehen werden ...).

Faszinierend – denn das ist in etwa die Anzahl unserer täglichen Gedanken: 60'000 Gedanken – eine Zahl, die von verschiedenen Untersuchungen rund um den Globus gestützt wird. Wir denken ständig an irgend etwas, da läppert sich im Laufe des Tages so einiges zusammen. Und wie schwierig es ist, überhaupt nicht zu denken, weiss jeder, der sich schon einmal in Meditation versucht hat.

Aber es kommt noch besser – da wartet bereits der nächste spannende Zusammenhang!

Im Internet findet man übrigens zahlreiche Forschungs-Ergebnisse zur Anzahl – wie auch zur Art – von Gedanken, die uns so täglich durch den Kopf gehen. Mal sind es 40'000 – 60'000, dann wieder 60'000 – 80'000 Gedanken pro Tag. Am häufigsten trifft man auf den Durchschnitts-Wert von 60'000 Gedanken pro Tag. Wie gesagt Durchschnitts-Wert – die Gedanken-Mühle rattert nicht bei jedem Menschen gleich stark. Auch wenn wir allesamt mehr denken als uns oft bewusst ist ...

Wie viele dieser 60'000 Gedanken sind nun positiv, sprich inspirierend & hilfreich? Auch hier finden sich verschiedene Untersuchungs-Ergebnisse: Im Durchschnitt belaufen sich die Zahlen auf etwa 3 – 5%. Ein erschreckend kleiner Anteil also.

Das sind – wohlwollend betrachtet – rund 3'000 positive, förderliche, inspirierende, erhellende & aufbauende Gedanken pro Tag. 3'000 von insgesamt 60'000. Und auch die Anzahl neuer, weiterführender Gedanken – die wir nicht bereits gestern & vorgestern oder schon vor Jahren gewälzt haben – bewegt sich in dieser Grössenordnung.

Ein knappes Drittel unserer täglichen Gedanken-Flut gilt als neutral oder allenfalls hilfreich für andere. Und fast zwei Drittel unserer Gedanken sind weitgehend unnütz oder sogar schädlich bzw. schmerzlich. Eine erschreckend hohe Zahl – und das Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes Gedanken-Verschwendung – verschwendete Zeit & Energie & noch viel mehr ...

Nun bin ich gewiss kein Freund des „Nur-noch-positiv-Denken-Terrors", der einem in jüngerer Vergangenheit von verschiedenen Seiten um die Ohren geschleudert wird. Den Menschen einzutrichtern, sie sollen jetzt bitteschön nur noch positiv denken („alles ist Einstellungs-Sache") und damit nur noch Positives „anziehen" – das ist, als würde man einen Gummi spannen, immer weiter & weiter (über-)spannen, bis er unter Umständen mit aller Kraft auf einen zurückspickt. Und man genau das Gegenteil erreicht hat, sprich in ein Loch fällt.

Trotzdem muss dieser viel zu niedrige Anteil positiver Gedanken natürlich zu denken geben, denn so ein schlaffer & ausgeleierter Gummi (um mal beim Gummi-Beispiel zu bleiben) ist auch nicht das Wahre ... Die beste aller (Denk-)Welten liegt wohl – wie meistens – irgendwo dazwischen ...

Die nächste Frage liegt schon in der Luft: Wie viele Gegenstände brauchen wir wirklich von unseren 60'000? Und Sie ahnen die Antwort schon ...

Aber erst noch eine kurze Erläuterung zu den 60'000 Gegenständen. Manch einem scheint diese Zahl vielleicht ein bisschen hoch gegriffen. Es würde sich zwar viel ansammeln – aber so viel dann doch wieder nicht. Wenn man allerdings genauer hinschaut, wird schnell klar, dass sich riesige Stückzahlen anhäufen. Denn viele Gegenstände im Haushalt kommen in grosser Anzahl vor. So ist jedes einzelne Kleidungsstück ein Gegenstand, jedes Accessoire ist ein Gegenstand, jedes Kosmetik-Produkt, jedes Werkzeug, jeder Schreib-Stift, jede Münze, jedes Messer, jedes Lebensmittel, jede CD, jede Broschüre, jeder Artikel, jede einzelne Karte oder jedes Foto. Um nur einige Beispiele zu nennen. Und dann gibt es ja nicht nur die Wohnräume – sondern auch allfällige Keller, Dachgeschosse, Garagen, Fahrzeuge, Gärten, Hobby-Räume, Sammlungen, Zweit-Wohnsitze und anderes mehr.

Wenn etwa Damen nur einmal all ihre Kleidungsstücke für drunter & drüber & alle Gelegenheiten & alle Jahreszeiten, alle Schuhe, Accessoires, Schmuckstücke, Handtaschen mit Inhalt und sämtliche Kosmetik-Artikel zusammenzählen – da gibt es lange Listen und noch längere Gesichter. Und wenn man dann noch den ganzen persönlichen Papierkram erfasst (Bücher, Broschüren, Magazine, Artikel, Karten, Fotos, Briefe, Rechnungen, Belege und vieles mehr), kommt man erst recht auf die Welt. Wie war das nochmal mit dem papierlosen Büro? Hat das irgendwann einmal jemand gesichtet? Ich leider nicht ... Von tollen Büchern, interessanten Heften, wissenswerten Artikeln und ähnlichem kann ich mich nur schwer trennen. Wenigstens bin ich ansonsten kein Sammler und mag's nicht „überfüllt".

Grobe Schätzungen bei Freunden mit bedeutend mehr Wohnraum (Haus & Garten), aber weniger „Papier" ergaben interessanterweise ebenfalls rund 60'000 Gegenstände.

Was das Leben so alles hortet ...

In amerikanischen Haushalten stehen rund 80 Millionen Bohr-Maschinen. „Die durchschnittliche effektive Nutzungs-Dauer dieser Geräte vom Kauf bis zur Entsorgung", sagt Mirko Meboldt, Professor für Produkt-Entwicklung & Konstruktion an der ETH Zürich, „beträgt etwa 11 Minuten." Das wird hierzulande ähnlich aussehen ...

Auch wenn wir keine Messies sind – wir müllen uns zu mit einer Unmenge von Gegenständen, die wir nur selten oder gar nicht brauchen. Viel zu viel haben wir in x-facher Ausführung. Manches liegt auch als ewig unerledigte Aufgabe herum oder weckt schlechte Erinnerungen. Viel zu viel nervt & belastet uns und zieht letztlich nur Energie & Ressourcen ab. Dabei sollte uns Besitz bereichern, nicht belasten.

Fünf Kleider-Schränke und doch nichts anzuziehen? Eine prall gefüllte Tiefkühl-Truhe für die nächste Hungersnot? Wer weiss, vielleicht können wir Geschirr-Service Nummer fünf oder diese alte Strickjacke aus dem Pfadfinder-Lager noch einmal gebrauchen. Und der Ex war zwar ein Arsch, aber auf diesen vielen Fotos lächelt er doch so süss. Und seine Briefe – holprig & verlogen, aber doch kein Altpapier, ich bitte Euch. Und vielleicht kommen ja auch diese neon-farbenen Stirnbänder aus den 80er Jahren wieder mal in Mode – in 30 Jahren oder so. Genauso wie die alten „Bravo-Star-Schnitte", Supertramp in Lebensgrösse etwa, jede Woche eine neue Doppelseite. Sind diese grossen Ohr-Klunker wirklich mal getragen worden? Diese vielen Kinder-Zeichnungen & Bastel-Arbeiten konnten uns zwar nie begeistern – aber die Kleinen haben sich doch sooo viel Mühe gegeben. Klo-Rollen, eigenhändig umhäkelt. Und Tier-Figürchen aus Kastanien und Zahnstochern – eine ganze Kiste voll, wie kreativ ... Und ach, diese Polaroid-Kameras – gibt's zwar längst keine Filme mehr für, aber all die Erinnerungen ... Und schau mal, diese bunten Souvenirs – die wollten wir doch längst weiterschenken, Geschenke-Recycling und so, warum sind die noch hier? Und die lückenlos seit Anfang 90er Jahre aufbewahrten Rechnungen & Quittungen – wer weiss, vielleicht müssen wir die noch irgendwie, irgendwo, irgendwann mal vorlegen. Man kann nie wissen ... Und all die vielen Magazine & Artikel aus den letzten Jahren haben wir doch nicht mühsam gesammelt, um sie jetzt einfach wegzuschmeissen, aber hallo!

Letztlich bunkert der Mensch aus Angst vor Mangel. Und die Menschheits-Geschichte kennt viele Perioden des Hungers & des Mangels. Aber heute leben die meisten von uns in einem gewissen Überfluss (auch wenn wir das nicht immer so empfinden). Und wir haben nie richtig gelernt, damit umzugehen ...

Wie viele Gegenstände brauchen wir nun wirklich von unseren 60'000?

Ich sage jetzt einfach mal ganz provokativ 3'000!

Klar, es würde knapp werden. Ja, wir müssten uns ordentlich einschränken – denn 3'000 tönt zwar nach viel, ist aber bei näherer Betrachtung wenig. Denn wie bereits erwähnt ist jedes T-Shirt ein Gegenstand, jeder Stift, jedes Messer, jede Karte, jedes Foto und so weiter und so fort.

In diesem Zusammenhang hilft vielleicht ein schönes Zitat des britischen Multi-Talents William Morris (aus dem 19. Jahrhundert):

HAVE NOTHING IN YOUR HOUSE
THAT YOU DO NOT KNOW TO BE USEFUL
OR BELIEVE TO BE BEAUTIFUL

Behalte nur Sachen, die nützlich oder schön sind. Oder beides.

Die amerikanische Künstlerin Lisa Congdon hat diesen Ratschlag hübsch illustriert:

https://twitter.com/AVSchaffner/status/278087459689078784/photo/1

Besitz per se ist nichts Negatives – man darf & soll sich durchaus freuen an schönen, nützlichen, inspirierenden Dingen. Solange der Besitz bereichert (nicht primär materiell) – und solange wir teilen können und unseren Wohlstand sinnvoll einsetzen ...

Wenn man sich der erwähnten Zahlen & Zusammenhänge erst einmal bewusst wird, ist bereits der erste Schritt in die richtige Richtung getan. Plötzlich schaut man gewisse Dinge mit anderen Augen an und realisiert, dass weniger manchmal tatsächlich mehr ist. Dass wir den dreissigsten Lidschatten oder das dreissigste elektronische Spielzeug vielleicht nicht mehr unbedingt brauchen. Dass wir doch wieder einmal ein paar Bücher verschenken könnten. Dass wir die Bohr-Maschine auch beim Nachbarn ausleihen können – einmal in zwei Jahren. Und diese Ecke im Schlafzimmer wollten wir doch schon lange ausmisten. Und die Papier-Berge im Büro dürften auch ein bisschen übersichtlicher sein ... Und der Keller erst ... Und warum nicht einmal gründlich Jagd machen auf belastende Andenken & Staubfänger ...

Auf dass wir – frei nach Martin Walser – nicht auf der Intensivstation Erinnerung verbluten.

60'000 – 3'000 ... 60'000 – 3'000 ... 60'000 – 3'000 ...
Nützlich – schön ... nützlich – schön ... nützlich – schön ...

Und plötzlich setzt sich etwas in Bewegung ...
Im Gedanken erst – aber langsam kommt etwas ins Rollen ...
Im Kleider-Schrank, auf dem Bücher-Gestell, im Leben ...
Ein neues Jahr, neue Erkenntnisse, neue Möglichkeiten ...  

Fassen Sie einen einzigen Vorsatz für 2013: Füllen Sie Ihren Kopf im neuen Jahr mit Wichtigem, Interessantem, Inspirierendem!

Denn wie heisst es so schön: "If you don't plant flowers in the garden of your mind, you'll forever pull weeds." Wer im Geiste keine Blumen anpflanzt, wird immer Unkraut zupfen müssen.

In anderen Worten: Wenn wir unsere Tage – oder zumindest einen schönen Teil unserer Freizeit – nicht mit wichtigen Gedanken & Aktivitäten füllen (Leidenschaft, Berufung etc.), füllen sie sich automatisch mit Belanglosigkeiten. Und wer sich nicht auf inspirierende Ideen, Tätigkeiten & Ziele konzentriert, wird es schwer haben, Zufriedenheit oder gar Erfüllung im Leben zu finden. Und sich häufiger mit „Unkraut" wie Ärger & Frust herumschlagen müssen. Oder vielleicht auch sinnlos Gegenstände anhäufen ...

Das tönt erst einmal einfach & einleuchtend – erweist sich aber im Alltag als unwahrscheinlich schwierig. Hier & dort & überall lauern allerlei „Kleinkram" und jede Menge Ansprüche von allen möglichen & unmöglichen Seiten.

Der eine oder andere kennt diese Problematik auch unter dem Begriff „Parkinsonsche Gesetze". Der britische Soziologe Cyril Northcote Parkinson formulierte so bekannte Lehr-Sätze wie etwa „Arbeit dehnt sich in genau dem Masse aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht". Seine ironisch-treffenden Thesen drehen sich hauptsächlich um wachsende Bürokratie & Verwaltung bzw. fehlende Effizienz & Effektivität. Sie gelten aber genauso für den ganz normalen „Alltags-Wahnsinn". Kennen Sie das Gefühl, wenn man am Tag viel mehr wirklich Relevantes erledigt hat, als man sich vorgenommen hatte, und am Abend richtig glücklich darüber ist? Nein? Die anderen auch nicht ...

Bedauerlicherweise summiert sich das viele „Unkraut" im Laufe der Jahre zu riesigen Bergen – und der „Blumen-Garten", den wir eigentlich hätten pflanzen wollen, ist vielleicht nur ein winziges Beet geworden.

Aber es ist nicht zu spät, Gegensteuer zu geben!

Konzentrieren Sie sich 2013 zur Abwechslung mal wirklich auf das Wichtige im Leben, auf Ihre ganz persönlichen Prioritäten, auf Ihre ganz individuelle „Berufung". Machen Sie Pläne – für den nächsten Tag, die nächste Woche, den nächsten Monat und darüber hinaus. Setzen Sie sich Ziele – basierend auf Ihren ganz persönlichen Träumen, Wünschen & Vorstellungen. Geben Sie nicht gleich auf, wenn es nicht von Beginn an klappt. Denn das wird es nicht. Aber wenn Sie sich erst einmal jeden Tag bewusst daran erinnern, aktiv „Blumen zu pflanzen", setzt sich ganz von alleine eine positive Entwicklung in Gang. Und Sie werden Ihrer persönlichen Berufung 2013 einen grossen Schritt näher kommen.

Und fast nebenbei werden auch die Berge unnützer & unschöner Gegenstände langsam kleiner ...

Es ist der beste Vorsatz, den Sie für 2013 fassen können!



PS: An dieser Stelle folgt ein kleines Video zum Thema ...

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