Musik ist ein wunderbarer Begleiter. Überallhin. Wo die Worte aufhören, beginnen bekanntlich die Bilder, und wo die Bilder aufhören, beginnt die Musik. Sie transportiert eine zusätzliche Ebene, die „verbal nicht zu fassen ist“, wie man im Schweizer Engadin so schön sagt.

Nach „10 Songs fürs Leben“
www.besser-fernsehen.ch/blog/entry/10-songs-fuers-leben.html

präsentiere ich heute zwei Songs aus eigener Feder (geschrieben vor zwei Jahren, nun aber professionell aufgenommen):

„Sun Deck Song“ (Dance Pop)
„Falling into Presence“ (New Age Pop)
www.besser-fernsehen.ch/songs.html

Der „Sun Deck Song“ zeigt auf, dass man manches anders machen würde im Leben, wenn man noch einmal die Chance dazu hätte. Dass man vieles mutiger & beherzter angehen sollte – als Privat-Person genauso wie als Gesellschaft. Wir sitzen sozusagen alle in einem grossen „Narren-Schiff“ und hoffen, die Fahrt möge noch einmal gut gehen … Und haben so oft nicht den Mut, etwas zu ändern, etwas anders zu machen, einen neuen Kurs einzuschlagen mit unserem eingefahrenen Narren-Schiff. Wie bereits der Doktor im gleichnamigen Film aus den 60er Jahren nicht den Mut hatte, etwas zu ändern. Und in seinem Fall wohl auch nicht die Kraft dazu, denn er war – obschon Arzt und umgeben von allerlei Gebrechen – selber der Kränkste an Bord. Aber hier, in meinem Song, stirbt Oskar Werner nicht einsam & desillusioniert zwischen Sonnendeck und einem kalten, dunklen Himmel. Hier, im „Sun Deck Song“, erhält er die Chance, seinem Leben eine andere, eine ganz neue Richtung zu geben. „Life shrinks or expands in proportion to one’s courage“, das Leben schrumpft oder wächst in Relation zum eigenen Mut, erkannte Schriftstellerin Anais Nin messerscharf. Anais streckt die Hand nach dem Schiffs-Doc aus – und er ergreift sie. Orte & Zeiten & Gelegenheiten vermischen sich, greifen ineinander über. Mutige Menschen können immer die Hand ausstrecken und nach den Sternen greifen – oder wie im „Sun Deck Song“ nach Major Tom!

Und klar: Der Song soll auch Spass & gute Laune machen! Auch wenn es ein sinkendes Schiff ist, auf dem da getanzt wird. Auch wenn spätere Generationen einmal im Rückblick über uns sagen werden: „Diese Gesellschaft war ein Auslauf-Modell. Ein närrisches Auslauf-Modell, wo nicht einmal die Ärzte sich selber helfen konnten.“ Aber sie werden auch sagen: „Die müden Augen des Doktors zwischen asphalt-grau und stahl-blau – in denen sich die Kälte & Desorientierung einer ganzen Epoche spiegelten – strahlten einen reizvoll-morbiden Charme aus.“

„Falling into Presence“ dreht sich um die oft schmerzlichen Illusionen im Leben wie Zeit, Selbstbild, Selbst-Vermarktung („Brand yourself“), Bewertungen etc. – und im Refrain um das befreiende „Sich-Fallen-Lassen in die Präsenz“. Halten Sie kurz inne und tauchen Sie ab – Musik ist ein wunderbarer Begleiter direkt in die Präsenz! Viele Menschen spüren das ganz instinktiv – und brauchen keine weiteren Erklärungen. Wer ein bisschen mehr rund ums Thema Illusionen & Präsenz verinnerlichen möchte, findet im Folgenden einige hilfreiche Erläuterungen.

Ansonsten wünsche ich schon mal einen schönen, warmen Sommer!
Beschwingt, präsent und voller Lebensfreude, Mut & Tatkraft!
Enjoy & let the music play!


Es ist ja nicht so, dass wir nicht wüssten, dass die Präsenz den Dreh- & Angelpunkt unserer Existenz darstellt. Wir haben die frohe Botschaft vom „Leben im Hier & Jetzt“ und vom „Geniessen des Augenblicks“ schon so oft um die Ohren geschleudert gekriegt, dass sich längst Ermüdungs-Erscheinungen bemerkbar machen. Nicht schon wieder, nicht jetzt, nicht du auch noch – und sowieso stellt sich die viel gepriesene „Leichtigkeit des Seins“ nur selten ein. Vielleicht einmal im Sommer auf dem Balkon, wo von irgendwoher ein paar Fetzen Musik herüberwehen wie ein luftig-leichtes Glücks-Versprechen. Vielleicht einmal beim Lesen eines schönen, poetischen Satzes, wo einem für ein paar Augenblicke das Herz aufgeht. Vielleicht zuweilen in den Armen eines geliebten Menschen, wo sich das schöne Gefühl von Heimat jenseits von Raum & Zeit einstellt. Vielleicht auch manchmal auf einem Spaziergang in der Natur, wo nichts mehr denkt & fühlt und alles nur noch ist & versinkt …

„Take your pleasures seriously“, nimm das Vergnügen ernst, heisst es so schön. Take the moment seriously, geniesse den Augenblick, tauche ein ins Hier & Jetzt, es ist alles, was du hast …

Ja, schon klar, aber zuerst müssen wir noch dies & das & jenes erledigen, so viel (vermeintlich) Wichtiges & Dringliches schreit nach uns, so viele Pendenzen sitzen uns im Nacken. So viele Ablenkungen & Nebensächlichkeiten, so viel Alltags-Logistik, so viele anstrengende Mitmenschen … Und dann gibt es auch noch jede Menge Interessantes & Unterhaltsames, dem wir uns annehmen wollen … Und das Sein und erst recht die Leichtigkeit des Seins bleiben wieder einmal auf der Strecke …

Wir sind meistens im „Keine-Zeit-Modus“ und nur selten im „Meine-Zeit-Modus“. Die Zeit erscheint uns sehr real im Alltag, sie sitzt uns ständig im Nacken, und der häufige Zeit-Mangel beeinträchtigt doch spürbar das Leben zahlreicher Menschen.

Zeit & Zahlen grenzen viele von uns unwahrscheinlich ein. Dabei ist die messbare Seite der Welt nicht die Welt. Es ist die messbare Seite der Welt, wie Philosoph Martin Seel so treffend festhält.

Spätestens seit Einstein wissen wir ja, dass Zeit nur eine Illusion ist.

Wir brauchen die Zeit aber als notwendiges Konstrukt für unser tägliches Leben, für die Organisation unseres Alltags, für das Zusammenleben in der Gesellschaft. Wir brauchen die Zeit auch als notwendiges Konstrukt für unser Denken, denn unser Hirn muss zwingend Vergangenheit & Zukunft miteinbeziehen – wir denken ja in Zeit-Abfolgen, in Prozessen, in Geschichten.

Vereinfacht ausgedrückt „verkaufen“ wir unsere Zeit für Geld – und für Geld „kaufen“ wir wieder Zeit. Und haben ständig das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben. Auch wenn das natürlich nicht stimmt. Auch wenn wir nicht zu wenig Zeit haben, sondern zu viel „vergeuden“. Hätten wir mehr Zeit, würden wir einfach noch mehr reinstopfen in unsere Tage, noch mehr Aufgaben übernehmen, noch mehr vermeintlich Wichtigem & Interessantem hinterher rennen. Und wir würden noch stärker an den Medien, an Unterhaltung & Social Media kleben. Wir brauchen wohl eher mehr Weisheit, das Richtige zu tun und das Unwichtige wegzulassen. Letztlich scheint es eine Frage der Persönlichkeit bzw. der Erkenntnis, wie viel Zeit wir wirklich haben.

„Ich hatte keine Zeit“ bedeutet nichts anderes als: Ich hatte keine Zeit für Dich & Dein Anliegen bzw. für diese oder jene Sache. Es war mir offensichtlich nicht wichtig genug.

Eine weitere, besonders hartnäckige Illusion ist unser Selbstbild, unsere Identität.

Eine gewisse Selbst-Inszenierung ist natürlich Teil des menschlichen Lebens. Schon morgens vor dem Spiegel oder bei der Auswahl von Kleidung & Schmuck setzen wir bewusste Signale. Aber heute ist das halbe Leben zur Bühne geworden, zur Ausstellungs-Plattform, zum Präsentier-Teller. Der Kampf um Aufmerksamkeit ist allgegenwärtig. Bereits den jungen Leuten wird pausenlos eingetrichtert, du kannst alles aus dir machen, wenn du nur willst. Wenn du nur fest genug an dich und dein Talent glaubst und alles dafür tust, deinen Traum zu verwirklichen. Wenn du dich nur richtig gut „verkaufst“. Was ist deine Besonderheit, was hebt dich ab von anderen, was zeichnet dich aus? Wie erzählst du deine Geschichte so, dass sie fasziniert? Wie beurteilen dich andere, und wie kannst du darauf einwirken? Und wer kann dir helfen, deine Ziele am besten & schnellsten zu verwirklichen?

Der Wunsch, kein Massen-Mensch zu sein, definiert den heutigen Massen-Menschen.

Die Selbst-Vermarktung, die Pflege des eigenen Images, die Arbeit an der „Marke Ich“ wird immer mehr als intelligentes, ja fast überlebenswichtiges Verhalten betrachtet. Personal Branding heisst das auf Neu-Deutsch, Marken-Bildung beim Menschen. „Brand yourself!“ schallt es uns permanent entgegen, sage & zeige, wer du bist. Mach deutlich, was dich als Person & Brand/Marke von den anderen abhebt. Als Angestellter im Supermarkt, als Mitarbeiterin in einem Finanzdienstleistungs-Unternehmen, als Kreativ-Kopf einer Werbe-Agentur, als Arzt in der grossen Klinik, als Selbständiger im Jung-Unternehmen, als Protagonist auf irgendeiner Medien-Bühne oder was auch immer.

So erkennen wir denn auch künstlich geschönte Fotos von uns selber besser & schneller als normale Bilder!

Das Leben wird oft weniger gelebt als vielmehr „dargestellt“ – wie ein Schauspieler eine Rolle verkörpert. Viele Menschen sind Schauspieler im eigenen Leben geworden …

Wir vergleichen uns unentwegt mit anderen – obschon unzählige Studien aufzeigen, dass das keine gute Idee ist. Wir lassen uns ständig von allem möglichen Medien-Müll und jeder Menge Hopsasa & (Promi-)Trallala von den wirklich relevanten Themen ablenken … von dieser globalen Zerstreuungs-Kultur einlullen, die mit spassigen Banalitäten den Alltag der Menschen schmiert & salbt … und vom riesigen Social-Media-Zirkus, der die Menschen unter dem Strich zunehmend stresst & überfordert, weil sie mit so vielen Fassaden & unliebsamen Vergleichen konfrontiert werden …

Ich hatte & habe das Glück, dass mich mein Selbstbild kaum gestresst hat im Leben. Ich habe im Gedanken seit jeher viele Leben gelebt, viele Identitäten durchgemacht – da spielte meine eigene keine so grosse Rolle. Heute war ich dies und morgen das und oftmals vieles gleichzeitig – wie wir ja auch im „richtigen“ Leben nicht nur eine Identität haben, sondern viele verschiedene. So haben wir etwa eine nationale Identität, eine kulturelle, eine familiäre, eine private, „geheime“ Identitäten in unseren Gedanken, berufliche Identitäten, eine religiöse oder spirituelle oder atheistische Identität, vielleicht eine politische und so weiter und so fort. Und alle diese Identitäten sind nicht beständig, sondern fliessend & veränderlich. Wir Menschen sind ohnehin „multiple Persönlichkeiten“, tragen alle Eigenschaften in uns, ob uns das gefällt oder nicht. Es ist ein bisschen so, als hätten wir viele verschiedene „virtuelle Fenster“ offen – und jenes, das wir als reales bezeichnen, erscheint uns längst nicht immer als das beste.

Vor diesem Hintergrund ist es sehr tröstlich, dass all diese „Fenster“, all diese Identitäten, an denen die Menschen viel zu oft mit grosser Inbrunst feilen & polieren, nur Illusion sind. Dass wir den grossen Polier-Lappen für unser Selbstbild & Image auch mal stecken lassen können. Wir polieren ohnehin viel zu stark an unserem Selbstbild herum, bis es nur noch glänzt (auf die eine oder andere Weise), und man gar nicht mehr richtig erkennen kann, was für eine Münze darunter steckt.

Dass das alles nur Illusion ist – nicht greifbar, nicht wirklich relevant – hat etwas ungemein Tröstliches & Befreiendes.

Most people say no – but, on the brighter side, you only need a few yes's to make a life.

Glücklicherweise war es mir schon immer relativ egal, was andere von mir dachten oder nicht dachten. Oder vielleicht denken könnten. So what. Es hat mich schon als Kind nicht besonders gekratzt. „Achte immer darauf, was die Nachbarn von dir denken, was die Mitmenschen von dir denken, was die Gesellschaft von dir denkt“, trichterte mir meine Mutter in bester Absicht bereits als kleines Kind ein. So ein Unsinn, dachte ich schon damals. Ich schaute mir die Umgebung genauer an und sah, wie viele Menschen nach aussen hin ein Leuchtturm sein woll(t)en und doch selber ein Schiff in Not waren – oder sind. Und so konnte ich mit Identität & Image schon früh ziemlich entspannt umgehen.

Ich wünschte, ich könnte das gleiche von der Zeit behaupten. Ich wünschte, ich hätte frühzeitig einen gelassenen Umgang mit der Zeit auf die Reihe gekriegt. Aber die Zeit rannte – bildlich gesprochen – immer voraus, ich immer atemlos hinterher, so lange ich denken kann. Immer zu wenig geschlafen, immer viel zu viel Interessantes gesehen, immer unter Zeitdruck gefühlt, nie eine Uhr getragen, weil es sich so frustig anfühlt(e) mitanzusehen, wie schnell die Zeit vergeht. 1‘000 x versucht, Frieden zu schliessen im übertragenen Sinne, endlich in den „Meine-Zeit-Modus“ zu gelangen …

„Time lifts me up“ – heute sozusagen mein Mantra! Aber gewiss noch immer eine tägliche Herausforderung …

Eine weitere Illusion sind unsere ständigen bewussten & unbewussten Bewertungen.

Wir Menschen sind ja laufend am bewerten, meist automatisch & unbewusst. Wir sehen etwas und denken gleich: schön, hässlich, gut, schlecht etc. Ein Mensch geht vorüber, aha, gute Frisur, schöner Pullover, zu bunte Schuhe, ein bisschen zu klein geraten und das falsche SmartPhone in der Hand. Und dieses Auto, wie kann man bloss, schreckliches Modell, fürchterliche Farbe, viel zu hoher Treibstoff-Verbrauch. Und da, dieses Haus, schöne Architektur, grosser Garten, harmonische Proportionen – aber diese kleinkarierte, spiessige Garten-Deko, welche gelangweilte Hausfrau wollte sich wohl da wieder verwirklichen?

Und so geht das ständig, unser automatisches Kopf-Kino – selten betrachten wir etwas ganz ohne Einschätzung, ohne Wertung, völlig urteils-frei. Unsere Bewertungen erfolgen meist unbewusst, es passiert einfach – positiv, negativ, sympathisch, unsympathisch, heiss, kalt, weiss, schwarz, ja, nein.

Und so finden wir uns viel zu oft gefangen in einer Art „Denk-Käfig“ zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Positiv und Negativ hin und her, vor und zurück …

Ähnlich verhält es sich auch mit dem (omnipräsenten) positiven Denken – nicht per se eine schlechte Sache, aber letztlich ein Gefängnis, wenn es zwanghaft & dogmatisch wird. Wie jedes Dogma und jede Ideologie letztlich eine überflüssige Einschränkung darstellt. 

Letztlich müssen unsere Gefühle fliessen können – auch die quälenden, auch die schmerzhaften, auch die beschämenden. Nicht alles schön-denken, glattbügeln & unterdrücken, sondern annehmen, durchleben & fliessen lassen … und anschliessend wenn möglich wieder befreit vorwärts schauen. Es ist reichlich naiv zu glauben, man könne mit chronischem Positiv-Denken (à la „The Secret“) nur noch Positives „anziehen“ und das Negative aus dem eigenen Leben verbannen. Also mit anderen Worten den lieben Mitmenschen überlassen, die zu blöd oder zu faul sind, ständig positiv zu denken. In vielen Bereichen geht das nur um den hohen Preis des Verdrängens & Schön-Denkens – auf längere Sicht ein Schnitt ins eigene Fleisch. Sich selber zum dauernden Positiv-Denken zu forcieren, kann auf Dauer das pure Gegenteil bewirken. Langfristig drückt Verdrängtes in irgendeiner Form durch bzw. kann uns physisch und/oder psychisch krank machen. Unser Leben beinhaltet immer Licht und Schatten. Und wo viel Licht ist, fällt auch viel Schatten. Da braucht man nur an einem sonnigen Tag zum Fenster rauszuschauen! Wir müssen mutige, versöhnliche Wege finden, auch das Dunkle, Schwere, Schmerzliche in unser Leben zu integrieren und nicht einfach wegzudrücken.

Viel nachhaltiger ist eine grundsätzlich positive Lebens-Einstellung. Eine bejahende, optimistische Sicht aufs Leben – ohne das Dogma, den „Terror“ des positiven Denkens. Lassen Sie negative Gedanken & Gefühle zu, akzeptieren Sie sie als Teil von sich selbst, geben Sie ihnen einfach nicht zu viel Raum & Energie. Denn Frust, Ärger, Schmerz & Co. müssen raus, brauchen ein Ventil. Ansonsten bleibt das alles präsent in unserem „System“, in unserem Körper, in unserem Denken & Fühlen und kann uns auf Dauer physisch und/oder psychisch krank machen. Stichwort psychosomatische Erkrankungen, Schlaflosigkeit, Frust & Depressionen und anderes mehr. Das ist das wirkliche „Secret“ – ein sauberer Schnitt ins eigene Fleisch. Also lieber Energien aller Art erst einmal fliessen lassen … und dann befreit vorwärts schauen …

Es geht vielmehr um eine positive Lebens-Einstellung jenseits von Positiv-Denken-Dogmas.

Versuche nur noch positiv zu denken und visualisiere täglich deine Ziele, hören wir von der einen Seite. Ernähre dich vegetarisch oder vegan, trink keinen Alkohol oder Kaffee und verzichte auf Soft & Energy Drinks, schallt es aus einer anderen Richtung entgegen. Oder rauche keine Zigaretten, mach täglich Sport, fahr kein Auto mit hohem Treibstoff-Verbrauch, hinterlasse keine grossen ökologischen Fuss-Abdrücke, schau dir keinen Schrott im Fernsehen an und so weiter und so fort. Alles Richtungen, die man einschlagen kann. Aber man sollte sie nicht zum Dogma erheben. Hilft langfristig niemandem, auch wenn es noch so gut gemeint ist. Ratschläge können immer auch Schläge sein – besonders dann, wenn sie zur Ideologie oder Ersatz-Religion erhoben werden.

Gut gemeint ist bekanntlich oft das Gegenteil von gut gemacht.

Erst einmal ist alles da draussen gleichwertig. Wir sind es, die den Dingen eine Bedeutung geben, eine Wertigkeit. Oder eben nicht. Wir sind es, die be- & verurteilen.

Natürlich sind wir anders aufgewachsen. Den meisten von uns wurde unaufhörlich eingetrichtert, was gut und schlecht ist, was wir machen müssen und was auf keinen Fall. Und welche schlechten Beispiele wir uns immer vor Augen führen sollen – als Warnung & Abschreckung. Alle wussten sie immer ganz genau, wo es langgeht, was gut & schlecht, was richtig & falsch ist: unsere Eltern, unsere Lehrer, unsere Freunde & Bekannten, unsere Liebschaften & Partner, das berufliche Umfeld, die religiösen & politischen Instanzen und so weiter und so fort. Und sie haben es zumeist in bester Absicht getan, man kann ihnen nicht wirklich einen Vorwurf machen. Aber das alles prägt natürlich bis heute, dieses ständige Bewerten ist tief in uns verankert und nur schwer zu überwinden.

Trotzdem sollten wir möglichst ablassen von diesen automatischen Bewertungen, Abstand nehmen vom ständigen Beurteilen & Verurteilen. Wir sollten weniger richten und mehr aufrichten …

Jeder Jeck is anders, nicht nur im Karneval – und das ist auch gut so …

Glücklicherweise sind wir nicht unsere Gedanken. Auch so eine tröstliche, befreiende Erkenntnis. Wir sind nicht Gefangene unserer oftmals nervigen, quälenden, immer wieder um die gleichen Personen, Themen & Probleme kreisenden Gedanken. Wir können zwar viel bewegen & bewirken mit unseren Gedanken, aber wir sind nicht unsere Gedanken. Daher können wir unsere Gedanken auch gelassen und ohne Bewertung sozusagen „von aussen“ betrachten. Wie ein stiller Beobachter. Und alsbald erkennen: Da ist ganz schön viel Unsinn mit dabei!

Bewusstsein ist immer der erste Schritt in Richtung behutsame Veränderung …

Ein weiterer „Volks-Sport“ ist unsere ständige Suche – nach dem nächsten Kick, nach Sinn & Erfüllung, nach ein bisschen Glück, nach Liebe …

Viele von uns sind ständig irgendwie auf der Suche – und nicht wenige verlieren sich in einer Endlos-Schlaufe der Selbstfindung. Manche suchen Rat bei spirituellen Büchern, Meistern & Heilern, andere brechen auf nach Osten oder Westen, in asiatische Klöster & Retreats, zu Meditations-Seminaren oder Ayurveda-Kuren, auf Pilger-Reisen wie beispielsweise den berühmten Jakobsweg. Sie sind dann mal weg und hoffen unterwegs auf ein bisschen Runterschalten vom stressigen Alltag, ein bisschen Einsicht & Erkenntnis, Mut & Zuversicht, ein kleines Stück vom Glück …

„All the money in the world is spent on feeling good“, sagt Musiker Ry Cooder so schön & treffend.

Kann man alles machen, keine Frage – man kann aber genauso gut auch sitzen bleiben. Ganz einfach sitzen bleiben, wo man gerade ist und realisieren, dass alles schon da ist, was man sucht. Sitzen bleiben und sich sozusagen in die Präsenz reinfallen lassen und erkennen, dass man die Suche auch ganz getrost sein lassen kann. Dass so oder so alles schon hier ist, was man so mühsam & hartnäckig sucht. In uns & um uns herum.

„Was vor uns liegt, was hinter uns liegt, ist nichts verglichen mit dem, was in uns liegt“, erkannte Ralph Waldo Emerson schon im 19. Jahrhundert.

Auf spirituellem Gebiet haben sich (leider) ganz ähnliche Tendenzen herausgebildet wie in der „materiellen“ Welt. Gerne wird bedeutungsschwer von einem „spirituellen Weg“ gesprochen, dessen Erkenntnisse & Erleuchtungen umso wertvoller sind, je länger, weiter und beschwerlicher dieser Weg gewesen ist. Kunststück, wird uns doch schon als Kind eingetrichtert, wenn du eine wertvolle Fähigkeit erlangen willst, musst du lange & hart dafür arbeiten bzw. üben, musst du viele Anstrengungen & Entbehrungen auf dich nehmen, von nichts kommt schliesslich nichts. Und das sehen wir noch heute für ganz viele Bereiche des Lebens so – nicht zuletzt auch für den spirituellen. Wer sich schon lange auf dem spirituellen Weg befindet, sich in ganz viel altem Wissen gewälzt hat, vielleicht eine Menge einschlägige Kurse & Seminare besucht hat, mit grosser Disziplin regelmässige Übungen & Rituale absolviert und generell so einiges auf sich genommen hat zwecks „Erleuchtung“, verfügt ergo auch über mehr spirituelle Weisheit & Erkenntnis. Leider ein Trugschluss, dem viele Eso-Jünger/innen (und auch andere) aufsitzen …

Auch ein langer spiritueller Weg, an dessen Ende als Belohnung Weisheit & Erkenntnis stehen, ist letztlich eine Illusion.

In Wirklichkeit können wir überhaupt keinen „spirituellen Weg“ einschlagen – auch wenn das der geneigten Zuhörerschaft & Kundschaft gerne suggeriert wird (es ist halt ein gutes Geschäft …). Denn das haben wir spätestens mit unserem ersten Atemzug getan! Unser Lebens-Weg war von Beginn an auch ein spiritueller. Aber wir können natürlich ein bisschen bewusster & klarer werden in mancherlei Hinsicht …

Ich hoffe, Sie sind jetzt (frei nach BAP) nicht resigniert, nur – im wahrsten Sinne des Wortes – reichlich des-illusioniert!

Denn man kann sich ganz einfach reinfallen lassen in die Präsenz – jetzt, sofort, überall …

Präsenz bzw. Meditation haben zweifellos eine heilsame Wirkung auf uns. Meditation ist letztlich nichts anderes als Präsenz, ein ganz natürlicher Daseins-Zustand. Seien Sie also öfter mal ganz entspannt im Hier & Jetzt anstatt verspannt im Wenn & Aber!

Tauchen Sie öfter mal ein in die Präsenz, ein paar Sekunden, ein paar Minuten oder auch länger – egal, wie es gerade hinkommt. Wie es Ihnen gut tut. Man könnte es auch Meditation nennen ein natürlicher Daseins-Zustand, um den herum gerne ein grosses Tam-Tam veranstaltet wird, Business lässt schön grüssen … Nein, Sie brauchen keine spezielle Technik. Sie brauchen auch keine spezielle Anleitung, kein Fachbuch, kein Seminar. Kann man alles machen, muss man aber nicht. Sie brauchen auch keinen speziellen Ort und keine speziellen Utensilien. Sie können ja nichts falsch machen! Sie müssen einfach „nur“ zur Ruhe kommen, Denken & Fühlen sozusagen „zuklappen“ und in die Tiefen-Dimension der Gegenwart eintauchen. Sie ist immer da – egal wann & wo. Jeder kann jederzeit – bildlich gesprochen – die „Reset-Taste“ drücken, und viele Menschen empfinden es denn auch als wohltuenden Waffen-Stillstand mit sich selber. Wohltuend im Sinne von nicht mehr denken müssen, nicht mehr fühlen müssen, raus aus der Zeit und allen anderen Illusionen und einfach nur noch sein. Und wenn trotzdem Gedanken auftauchen (und das werden sie …) – kein Problem, wahrnehmen und vorüberziehen lassen wie Wolken … Mit der Zeit werden die „Wolken“ automatisch weniger …

Ein guter Anfang sind sicherlich gelegentliche Pausen zum Auftanken draussen in der Natur, Hirn „auslüften“, Pendenzen kurz ruhen lassen, Denken runterfahren und versuchen, ein bisschen Präsenz zu spüren.

Schon am Morgen kann ein bisschen Präsenz helfen, den Tag gelassener & zentrierter anzugehen – in jedem Anfang liegt bekanntlich ein Zauber …

Auch die Wissenschaft streicht heute die positiven diesbezüglichen Effekte heraus. Arzt & Glücks-Forscher Dr. Tobias Esch: „Was der gesunde Menschenverstand und die alten Kultur-Kenntnisse schon lange über Meditation lehrten, hat nun eine wissenschaftliche Basis – die neurobiologisch fundiert ist. (…) Man hat heute mit recht grossem Erfolg bei den unterschiedlichsten Personen- & Patienten-Gruppen etwa Achtsamkeits-Übungen eingeführt: Die tägliche Verabredung mit sich selbst, bei der man sich eine Weile völlig auf das Jetzt konzentriert, ist wirklich ein probates therapeutisches Mittel. Kein Wundermittel, aber es wirkt! Es lässt sich auch im Alltag praktizieren: etwa beim Genuss jeder Gabel beim Essen. Es sind die alten Regeln, die auch hirn-physiologisch Sinn ergeben: eine halbe Stunde Bewegung pro Tag, Fokus auf den Moment statt auf die Sorgen von morgen, Gemeinschaft erleben. Neurobiologisch heilsam ist beispielsweise auch das Singen, und der Chor-Besuch verbindet gleich mehrere Elemente eines gesunden Lebens-Stils.“

Stimmt. Man könnte noch weitere Tätigkeiten anfügen, die uns in verschiedener Hinsicht gut tun – Spaziergänge etwa, Natur-Genuss generell, Yoga und andere Bewegungs-Formen, Garten-Arbeit, Klettern, Tanz, Poesie, Musik hören & machen, Künste aller Art, Wellness und vieles mehr. Ganz nach persönlichem Gusto … Es gibt viele Wege einer lebendigen Verbindung mit etwas Göttlichem, Universellem.

„The real meditation“, sagt US-Mediziner & Wissenschaftler Jon Kabat-Zinn so schön, „is how you live your life“. Die wirkliche Meditation ist dein Leben.

Neuste Forschungs-Ergebnisse zeigen positive Einflüsse regelmässiger Meditation bei praktisch allen untersuchten Erkrankungen.

Es vergeht kaum eine Woche, wo man nicht wieder etwas Neues in dieser Richtung hört. Die Liste der untersuchten Krankheiten/Problematiken wird immer länger – und stets zeigen sich gewisse positive Effekte (unterschiedlich starker Ausprägung). Schul-Medizin & Wissenschaft haben längst die heilsame Wirkung von Präsenz auf unsere Gesundheit und auf unser Leben generell erkannt. Das stellt heute niemand mehr ernsthaft in Frage.

Meditation wird uns zwar heutzutage – wie so vieles – gerne als etwas ganz Besonderes verkauft (inkl. Kurs, Seminar, Reise etc.). Es ist aber nichts anderes als ein Abtauchen in die Präsenz, ein Entkoppeln von Vergangenheit & Zukunft, ein Entkoppeln vom ständigen Denk-Prozess – und das fällt nicht jedem auf Anhieb leicht. Aber es ist kein Weg oder Prozess, jeder kann in jedem Moment – im übertragenen Sinne – die erwähnte „Reset“-Taste drücken!

Und die „unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ ist plötzlich nur noch „Leichtigkeit des Seins“ und wunderbar erträglich …

If Steve McQueen had known in life / Not only substance makes you thrive / Just dive into the presence pool / And you are really truly cool

Jeder Tag ist ein Geschenk, man nennt es Gegenwart – im Englischen ein kleines Wortspiel:

„Every day is a gift – that's why they call it the present.“

Nehmen wir es an.



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