BesserFernsehen, Medien, Musik, Inspiration & Wellbeing

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Herzlich willkommen auf dem BesserFernsehen-Blog!

Dieser Blog befasst sich mit den Themen Fernsehen, Medien, Musik, Inspiration & Wellbeing. BesserFernsehen steht einerseits ganz konkret für Fernsehen/TV, andererseits aber auch für „In die Ferne sehen“ im Sinne von Weitsicht & Erkenntnis.

Gute Unterhaltung & eine gute Zeit!
DEZ
10

60'000 Gedanken & Gegenstände

Ich habe kürzlich eine verblüffende Feststellung in Bezug auf die Zahl 60'000 gemacht. Eigentlich eine ganz simple Geschichte – doch dahinter verbirgt sich ein Ozean an weiterführenden Überlegungen & interessanten Erkenntnissen.

Das kam so: Unlängst stand eine Wohnungs-Räumung bei meinem Vater an, der lange Jahre an der sogenannten Messie-Krankheit gelitten hatte. In diesem Zusammenhang versuchte ich ganz grob die Anzahl Gegenstände abzuschätzen, die es zu entsorgen galt (auch wenn für Mulden-Betreiber nur Volumen & Gewicht relevant sind ...). Und ich kam auf gut 100'000 Dinge – wohlgemerkt in einer schwierigen Extrem-Situation.

Da gerät man natürlich – in vielerlei Hinsicht – ins Grübeln. Und stellt sich bald einmal die Frage, wie viele Gegenstände denn ein ganz normaler Durchschnitts-Bürger hierzulande besitzt bzw. hortet. Nur so ungefähr natürlich. Und ich begann ein bisschen zu recherchieren. Dabei las ich aus verschiedener Quelle, dass ein Durchschnitts-Europäer rund 10'000 Dinge besitzen soll. Keine Ahnung, wer das alles nachgezählt hat – aber diese Zahl ist viel zu niedrig. Ich habe daraufhin mal eine kleine „Hochrechnung" bei mir selber und zwei weiteren Haushalten durchgeführt – und siehe da: Ich kam auf (jeweils) rund 60'000 Gegenstände. Und wir sprechen hier nicht von Sammlern, auch wenn wir natürlich alle unsere kleinen Vorlieben & Schwächen für gewisse Dinge haben (wie wir noch sehen werden ...).

Faszinierend – denn das ist in etwa die Anzahl unserer täglichen Gedanken: 60'000 Gedanken – eine Zahl, die von verschiedenen Untersuchungen rund um den Globus gestützt wird. Wir denken ständig an irgend etwas, da läppert sich im Laufe des Tages so einiges zusammen. Und wie schwierig es ist, überhaupt nicht zu denken, weiss jeder, der sich schon einmal in Meditation versucht hat.

Aber es kommt noch besser – da wartet bereits der nächste spannende Zusammenhang!
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NOV
09

Die Zukunft des Fernsehens

„Flach-Bildschirme sind der Beweis: Die Geräte haben sich dem Niveau des Programms angepasst", so die deutsche Satire-Sendung „NDR Kanzler-Amt Pforte D".

An Branchen-Veranstaltungen wie den Münchener Medien-Tagen von Ende Oktober wird natürlich lieber Optimismus versprüht. Gerhard Zeiler, Ausland-Chef des amerikanischen Turner-Konzerns und Ex-Chef der RTL-Gruppe, sprach über seine 8 Grundsätze zur Zukunft des Fernsehens – wie das deutsche Medien-Portal MEEDIA berichtete. Eine Zukunft, an die Zeiler auch in einem Umfeld wachsender medialer Herausforderungen glaubt.

Ich auch, keine Frage. Unser Bedürfnis nach Information, nach Geschichten & Unterhaltung, nach Abenteuern & Emotionen ist das gleiche geblieben wie jenes unserer fernen Vorfahren am Lagerfeuer. Die Menschen wachen zwar argwöhnisch über ihren Besitz, die Zeit aber lassen sie sich bedenkenlos stehlen – viel zu oft vom Fernsehen. Wer sich fragt, wo bloss seine Zeit geblieben ist, sollte zuallererst einmal beim Fernsehen anfangen zu suchen.

Zeilers Leitlinien zur Zukunft des Fernsehens lauten wie folgt:

1.  Mache es Zuschauern leicht, alle Programme jederzeit auf allen Geräten zu konsumieren
2.  You have to be local
3.  Fragmentiere dich selbst, bevor dich andere fragmentieren
4.  Habe keine Angst vor Facebook, Twitter & YouTube – Nutze sie, so gut du kannst
5.  Positioniere deine Marke richtig
6.  Die Pay-TV-Industrie ist ein essentieller Teil der Fernseh-Landschaft
7.  Fail often, fail fast, fail cheaply
8.  Respektiere den kreativen Prozess und investiere in ihn

Gerne gebe ich ein paar Kommentare zu diesen „Zeiler-Psalmen" ab – insbesondere zu Nummer 7 und 8. Und ich möchte noch einen 9. Grundsatz hinzufügen:

9.  Führe eine „Abwrack-Prämie" für schlechte Programme ein
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OKT
15

GmbA – Gesellschaft mit betreutem Ableben

Als Karl Lagerfeld 18 Jahre alt wurde, gratulierte ihm seine Mutter telefonisch: „Jetzt bist du erwachsen und alt. Und ab 24 geht's bergab." Die energische Frau, damals bereits im Renten-Alter, hatte stets einen trockenen Spruch auf den Lippen. Sie hatte aufgehört, Karten zu spielen, weil sie ihre alten Hände nicht mehr sehen wollte.

In der Schweiz werden Männer durchschnittlich 79 Jahre und Frauen 84 Jahre alt. Wir werden nicht plötzlich doppelt oder x-mal so alt. Wir wissen das, aber wir sind erfolgreiche Verdränger. Wir richten uns in unseren Wohnungen & Häusern & Gärten & Fernseh-Sesseln ein, als würden wir Jahrhunderte lang leben. Ein komisches Paradox, das ich nie ganz verstanden habe. Und plötzlich – schwupps – sind wir alt. Wir hören zwar ständig, dass Menschen heutzutage viel länger fit & aktiv bleiben, und für manche stimmt das auch. Aber für andere eben nicht, nicht im Jahre 2012 und auch nicht in absehbarer Zukunft.

Für viele Menschen ist das Alter eine Bürde, ein „Massaker" (Philip Roth) oder eben der berühmte „Crash in Zeitlupe" (Katharine Hepburn). Wir haben diese Seite der Medaille weitgehend ausgelagert aus unserer Gesellschaft, delegiert an Alters- & Pflegeheime und Betreuer/innen aller Art. Wir leben in einer „GmbA", wie ich gerne sage, in einer „Gesellschaft mit betreutem Ableben".

Das hier ist meine eigene Geschichte bzw. die Geschichte meines Vaters, alleinstehender Witwer seit fast 20 Jahren. Er leidet an Demenz und hat die letzte Zeit im Pflegeheim verbracht. In einem vergleichsweise schönen Pflegeheim – ein ausgesprochener Glücksfall. Aber er wollte es unbedingt noch einmal zu Hause versuchen, in seiner frisch renovierten Wohnung. Verständlich – aber alles andere als einfach. Ein demenz-kranker Mensch allein zu Hause, der Hilfe für praktisch alles benötigt: Hilfe für die Körper-Pflege, für alle Mahlzeiten & bereits für einen simplen Kaffee aus der Kaffee-Maschine, Hilfe zum Fernsehen, für Hausarbeiten & Einkäufe, Spaziergänge & kleinere Unternehmungen und natürlich für alles Organisatorische & Administrative. Vor einer Woche ist er nun nach Hause zurückgekehrt. In der (gemeinsamen) Hoffnung auf einen möglichst würdigen Lebensabend ...

Dieser Beitrag handelt von den Erfahrungen & Erkenntnissen rund um die Heimkehr & Betreuung meines Vaters Freddy. Er handelt davon, dass das Alt-Sein früher oder später die ganze Energie & Aufmerksamkeit beansprucht, die man hat. Oder wie Walter Giller so schön sagte: „Jede Kleinigkeit wird eine Grossigkeit."
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SEP
25

Wir frivolen Fleisch-Fresser

Nein – ich bin kein Vegetarier & auch nie einer gewesen (auch wenn ich als Wenig-Fleisch-Esser problemlos auf Fleisch verzichten könnte ...). Und ich möchte aus niemandem einen Vegetarier machen, der das nicht ausdrücklich will. Aber ich plädiere mit Nachdruck dafür, beim Thema Fleisch-Produktion & -Konsum wieder vermehrt den „gesunden Menschenverstand" einzuschalten. Er scheint uns ziemlich abhanden gekommen zu sein ...

Die mannigfaltigen Probleme rund um Fleisch beruhen grösstenteils nicht darauf, dass wir Fleisch essen. Sie beruhen darauf, dass wir so  v i e l  Fleisch essen. Dass wir gedankenlos Berge von Fleisch in uns hineinstopfen. In der Schweiz etwa sind es im Durchschnitt deutlich über 1 kg pro Kopf & Woche. Hallo – aufwachen, liebe verantwortungsbewusste Konsumentinnen & Konsumenten! Dieser Beitrag soll Bewusstsein schaffen für die ganze Misere rund um unseren völlig übertriebenen Fleisch-Konsum – und den bekannten Argumenten noch ein paar neue, interessante Fakten & Facetten hinzufügen.

Folgende Aspekte stehen im Vordergrund meiner Ausführungen:

- Mais & Soja dienen zu rund 70% (!) als Tier-Futter
- Rund 1/3 der Getreide-Ernte dient ebenfalls als Tier-Futter
- Fleisch-Produktion weist schlechte Energie- & Öko-Bilanz auf
- Flächendeckende Tier-Quälerei infolge riesiger Produktions-Mengen
- Antibiotika & Stress-Hormone durchziehen unsere Fleisch-Berge
- Bio-Fleisch leidet unter weit verbreitetem Bio-Beschiss
- Klare gesundheitliche Risiken durch überhöhten Fleisch-Konsum
- Und: Es ist heutzutage schwer, ein „echter" Vegetarier zu sein!

Ich habe kürzlich in einer „Time To Do – Kommentare zum Zeitgeschehen"-Sendung (Schweiz 5) versucht, zumindest ansatzweise zu erklären, warum beim Fleisch-Konsum weniger mehr ist. Es gibt so viele gute Gründe dafür! Ich führe sie an dieser Stelle gerne ein bisschen genauer aus.
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SEP
14

TV-Qualität heisst heute oft US-Serie

„Viele Serien machen überaus deutlich, dass es bei der Freiheit hauptsächlich um die Freiheit zum Shopping, zum Anstellen eines Haus-Mädchens und zu häufigem Matratzen-Wechsel geht. Freiheit ist nur ein anderes Wort für ein weiteres Paar Schuhe", so die amerikanische Professorin & Autorin Judith Halberstam.

Hat schon was – um Schuhe geht es beispielsweise auch in der (hierzulande) neuen Familien-Serie „Modern Family" mit Ed O'Neill, ausgestrahlt auf RTL Nitro. Aber nur sehr am Rande. Ed O'Neill, der glücklose Schuh-Verkäufer „Al Bundy", hat sich inzwischen zum reichen Clan-Oberhaupt einer modernen Patchwork-Familie gemausert. Mit einer jungen, feurigen Latina an seiner Seite und den Familien seiner erwachsenen Kinder um sich herum. Alles da: Homo, Hetero, Baby-Po, Katzen-Klo & Wonderbra – und ja, die Serie ist durchaus sehenswert (auch wenn man „Eine schrecklich nette Familie" nur schrecklich fand ...). „Modern Family" ist gute Unterhaltung für die ganze Familie: witzig & spritzig, aber niemals bösartig – so, wie man sich auch deutsche Familien-Serien wünschen würde ...

Das neue Jahrtausend hat zwar alles bisher da gewesene an seichtem TV-Schrott übertroffen – aber es hat auch neue Serien-Masstäbe* gesetzt. Eingeläutet wurde der „vorläufige Gipfel des US-Serien-Schaffens" bereits in den 90er Jahren mit der – leider sehr schlecht synchronisierten – Sitcom „Seinfeld". Insbesondere in den USA wurden im neuen Jahrtausend zahlreiche innovative, interessante & qualitativ hochstehende Serien produziert, wovon einige auch den Sprung über den Atlantik geschafft haben: „Mad Men", „Lost", „House", „Breaking Bad", „Bored to Death", „The Wire", „The Sopranos", „Sons of Anarchy", „The West Wing", „Waking the Dead", „Boardwalk Empire", „Six Feet Under", „Nip/Tuck", „24" und andere mehr.

Kein Wunder, dass die gehobene Buch-Lektüre immer öfter mit dem Schauen von Fernseh-Serien ersetzt wird. Zum Lesen ist man – gerade abends nach einem anstrengenden Arbeitstag – oft zu müde bzw. die Augen wollen sich von der kurzen Seh-Distanz erholen. Eine gute TV-Serie ist dann vielleicht genau das richtige: Entspannung und gute Unterhaltung zugleich – und erst noch im trauten Kreise von Familie oder Freunden. In jüngerer Vergangenheit räumen auch immer mehr Intellektuelle ein, dass für sie das Schauen anspruchsvoller Fernseh-Serien mittlerweile gleichrangig mit Lektüre sei. Verschiedene (US-)Serien wie etwa „Mad Men" (über die New Yorker Werbe-Welt der frühen 60er Jahre, wo Sex & Drugs & Qualm noch so manchen Arbeitstag versüssten ...) können als visuelle Version eines Fortsetzungs-Romans verstanden werden, wobei einzelne Episoden Roman-Kapiteln gleichen. Mit dem Vorteil, dass die TV-Serien meist erst dann enden, wenn der Zuschauer nicht mehr interessiert ist.
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AUG
31

Herr Rossi sucht am Strand nach Öl …

... und „hätte noch eine Frage" ...

Die Fernseh-Sendungen & -Serien des 20. Jahrhunderts verblassen langsam, aber sicher in unserer Erinnerung. Und meistens ist das wohl auch gut so. Nur manchmal, wenn etwa Herr Rossi noch einmal nach dem Glück sucht, ein wuschliger Columbo in einen museums-reifen Peugeot steigt oder eine Baywatch-S(t)ilikone in Zeitlupe zur Rettung in letzter Sekunde flitzt, ereilt den einen oder anderen von uns ein bisschen Nostalgie oder gar Wehmut. Weil es nicht nur eine Erinnerung an vergangene Fernseh-Momente ist, sondern immer auch ein bisschen eine bitter-süsse Erinnerung an eine jüngere Version von uns selber, der noch alle Wege offen standen ...

Vielleicht ist es sogar eine Erinnerung an einen guten Freund aus der Zeit eines doch sehr überschaubaren Unterhaltungs-Angebots. „Ich bin mit Fernsehen aufgewachsen", so Satiriker, Kolumnist & Schauspieler Oliver Kalkofe. „Der Fernseher war mein einziger Freund, bis ich den Video-Rekorder kennenlernte. Da hatte ich einen zweiten." Heute haben wir viele Freunde ...

Das 20. Jahrhundert hat Fernseh-Geschichte geschrieben. In Deutschland ist es mit grossen Namen wie etwa Peter Frankenfeld („Musik ist Trumpf"), Hans-Joachim Kulenkampff („EWG - Einer wird gewinnen"), Hans Rosenthal („Dalli Dalli"), Rudi Carell („Am laufenden Band"), Thomas Gottschalk („Wetten dass...") und vielen anderen mehr verbunden. Sie gaben dem Fernsehen ein Gesicht und haben in vielerlei Hinsicht Pionier-Arbeit geleistet.

Ans Kinder-Herz gewachsen ist uns in den 70er Jahren die – aus heutiger Sicht technisch ziemlich primitiv gemachte – Trickfilm-Serie „Herr Rossi sucht das Glück". Herr Rossi arbeitet in einer italienischen Fisch-Konserven-Fabrik, wo die Wut-Anfälle seines cholerischen Chefs auf ihn niederprasseln. Als einziger Freund steht ihm Gastone zur Seite, der Hund des Chefs.
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AUG
13

Ein Kärntner Sommer-Märchen

Diese Geschichte spielt zwar in Kärnten, aber das tut sie nur zufällig. Sie könnte genauso gut auch in Deutschland spielen, zum Beispiel am traditionsreichen Nürburgring in der Eifel. Oder irgendwo in der Schweiz, wo jüngste Untersuchungen ergeben haben, dass jeder dritte Gross-Auftrag des Bundes unter der Hand vergeben wird. Kärnten ist überall ...

Und die Geschichte stammt auch ausnahmsweise nicht von mir, sondern vom Journalisten Bernhard Odehnal, der sie Anfang August im Schweizer Tages-Anzeiger unter dem Titel „Reise zu Jörgs Millionen-Gräbern – Kärnten, das südlichste Bundesland Österreichs, bietet neue Bauten und Skandale" veröffentlicht hat. Eine Geschichte, in der Lachen & Weinen & Staunen untrennbar miteinander verschmolzen sind:

„Herzlich willkommen, meine Damen und Herren! Ich begrüsse Sie bei Korrupt-Tours-Kärnten, dem einzigen Reisebüro, das Österreichs südlichstes Bundesland zeigt, wie es wirklich ist. Besteigen Sie unseren Bus, und lassen Sie sich in die Welt der Kärntner Politik entführen, wo Geld keine Rolle spielt und Moral ein Schimpfwort ist. Hauptsache, es war ‚a Gaude', wie wir sagen.

Wir verlassen jetzt den Hauptplatz von Klagenfurt und steuern auf das heimliche Wahrzeichen der Stadt zu: das Wörthersee-Stadion. Zur Fussball-EM 2008 wurde es gebaut, 70 Millionen Euro durfte Österreich dafür bezahlen. Es war ein Lieblings-Projekt unseres Landes-Hauptmanns, Gott habe ihn selig. ‚Wir Kärntner', hat der Jörg gesagt, ‚bekommen das schönste Fussball-Stadion der Welt.' Drei EM-Spiele wurden hier ausgetragen, seither sind die 32'000 Sitzplätze verwaist. Kärnten hat ja keinen Fussball-Club in der Bundesliga mehr. Trotzdem werden nun noch einmal 20 Millionen Euro investiert, um den Einsturz zu verhindern.

Weiter geht es zum nächsten Lieblings-Projekt Haiders: Die See-Bühne am Wörthersee entpuppte sich schon bald als Millionen-Grab. Die Betriebskosten schnellten in die Höhe, die Zuschauer blieben aus. Kein Problem: Haider holte Stars, der Bund zahlte 5 Millionen Euro Subvention. Pro Jahr. Im Finanz-Ministerium in Wien sass damals Haiders Freund Karl-Heinz Grasser.
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JUL
29

Leidenschaft Automobil

"Jean Tinguely & Jo Siffert – der Meister der sinnlosen Bewegung und der Meister der sinnlosen Geschwindigkeit." Ein wunderbarer Satz & mein persönlicher Lieblings-Satz zum Thema Leidenschaft Automobil. Er stammt aus einem Dokumentar-Film über zwei Schweizer Legenden aus Fribourg, den Künstler Jean Tinguely und den Rennfahrer Jo Siffert, die zeitlebens gute Freunde gewesen sind.

Jean Tinguely und Jo Siffert weilen schon lange nicht mehr unter uns – aber die beiden grossen Persönlichkeiten faszinieren uns noch heute mit ihrer gemeinsamen Leidenschaft für das Schnelle, das Absurde und ein bisschen Verrückte. Sie waren gleichermassen besessen vom Rennsport und richteten ihre gesamte Arbeits- & Lebens-Planung nach der Rennsport-Saison aus. Jean Tinguely etwa fuhr so oft als möglich zu Formel-1-Rennen und sammelte nach Unfällen eigenhändig Wrack-Teile ein, die er später zu Kunstwerken verarbeitete. Das war damals noch möglich – mittlerweile sind die Strecken längst für Zuschauer abgesperrt. Und für noch mehr Luxus-Schrott sorgte Tinguely gleich selber, indem er nicht selten einen seiner Luxus-Boliden wie etwa schicke Ferraris & Mercedes zu Schrott fuhr, weil er gerne viel zu schnell unterwegs war. Für Tinguely & Siffert war Motoren-Lärm „reine Poesie", ein Gedicht, ein Kunstwerk – etwas Sinnliches, fast schon Spirituelles.

Dieses Gefühl kennen viele Motorsport-Begeisterte aus verschiedensten Epochen. Rennfahrer Robert Kubica etwa wurde in der Schule einmal nach seiner Lieblings-Musik gefragt. „Die Musik der Motoren", war seine Antwort, doch er wusste nicht, ob seine Lehrerin verstanden hatte, dass es für ihn nichts Schöneres gab als den Klang der Motoren. Und vom Begründer des Mythos Ferrari, Enzo Ferrari, weiss man, dass er gerne Frauen in sein Haus an der Test-Strecke von Fiorano mitnahm und gleich­zeitig alle seine Fahrer auf die Piste beorderte. Anscheinend kam er erst beim ohrenbetäubenden Gekreische der 12-Zylinder so richtig in Fahrt ...

Comedian Atze Schröder drückt das so aus: „Ich finde es völlig okay, wenn man sich einen Porsche als Bereicherung seiner Persönlichkeit zulegt. Bei mir stellen sich die Nackenhaare vor Begeisterung auf, wenn ich morgens in die Garage gehe und den Motor anlasse. Für mich sind alle anderen Fahrzeuge Geh-Hilfen."
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JUL
16

Follow me!

Kürzlich habe ich gelesen, die „Financial Times" fordere – vor dem Hintergrund des Banken-Skandals „Liborgate", der seit Monaten die internationale Presse beschäftigt – „den Rücktritt der gesamten Banker-Generation, die derzeit an den Schalthebeln der Macht sitzt."

Ein Hammer-Satz, den ich so oder so ähnlich noch nie irgendwo gehört oder gelesen habe. Skandale in der Banken-Branche haben wir schon (viel zu) viele gesehen, und Rücktritte werden immer mal wieder gefordert. Aber der Zusatz „der gesamten Banker-Generation, die derzeit an den Schalthebeln der Macht sitzt" – das war erfrischend & neu, zumal von einem renommierten und vergleichsweise konservativen Blatt geäussert. Natürlich wird sich – wie immer – nur wenig ändern. Aber eine wichtige & überfällige Protest-Note wurde in Worte gefasst & publiziert, und in diesem Moment habe ich beschlossen, einen Twitter-Account zu eröffnen ... Umso mehr, als ich kurz vorher ein tolles Video der Gruppe Beirut („The Rip Tide") gesehen hatte und – was selten geschieht – sogleich dachte: Das müssen alle Freunde & Kollegen & wer auch immer sehen, das ist wie 4½ Minuten Kurz-Urlaub vor dem Bildschirm, zurücklehnen & abtauchen in eine andere Welt. Ab Minute 2:50 wird's dann richtig bunt & traumhaft schön – unbedingt anschauen, wenn Sie es noch nicht gesehen haben (übrigens auch rechts nebenan zu sehen, wo sich weitere interessante Videos finden):

http://www.youtube.com/watch?v=sX7fd8uQles

Das sind wohl Momente, wo ein Twitter-Account Sinn macht ... denke ich ... und daher werde ich das jetzt mal ausprobieren. Sie werden von mir nicht erfahren, dass ich gerade Schokoladen-Kekse gebacken oder ein super-tolles neues Handy der Firma Apfelkuchen gekauft habe. Oder gerade vom Open-Air-Kino zurückgekommen bin, wo zwar das Wetter gut, aber der Film schlecht war (oder umgekehrt). Und schon gar keine Meldungen à la „Mir geht's heute mega supi!" ...  

Aber wenn mir ein interessanter Gedanke, ein toller Satz, eine wichtige Meinung, ein gutes Video oder so ähnlich über den Weg läuft, dann kann ich Bekannte & Interessierte schnell & einfach daran teilhaben lassen. Vielleicht auch Sie, es würde mich freuen ... Daher sage ich Ihnen für dieses eine Mal: Folgen Sie mir – follow me!
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JUL
04

Werbung hat (zu) viele Gesichter

Der französische Schriftsteller & Ex-Werber Frédéric Beigbeder hat es am unverblümtesten ausgedrückt: „Behandeln Sie die Konsumenten nicht als Vollidioten, aber vergessen Sie nie, dass sie Vollidioten sind."

Konsum ist zur Ersatz-Religion geworden. Hier noch rasch ein neues Handtäschchen, da noch schnell das neuste SmartPhone – und ohne diese schicke neue Kaffee-Maschine geht gar nichts. Und hallo, was heisst hier 200 Paar Schuhe und die Hälfte davon nie getragen? Hast du diese Killer-Sandalen von Jimmy Manolo-Louboutin gesehen, was werden da die Freundinnen für Augen machen, lass uns mal reingehen & reinschlüpfen ... Irgendwo haben wir alle unseren wunden Punkt, wo uns Werbung & Verlangen einholen, auch wenn wir uns dem ganzen Konsum-Wahn noch so sehr zu entziehen versuchen. Shop till you drop, Kaufen bis zum Umfallen. Wir sehen eine weltweite Sehnsucht, sich im Konsum zu widerspiegeln als Ausdruck persönlicher Freiheit. Oft geht es nicht einmal primär darum, etwas zu besitzen, das einem gefällt – Hauptsache, der andere hat es (noch) nicht. Oder er hat es schon und man muss unbedingt nachziehen. Krise hin oder her, es wird konsumiert oder vielmehr über-konsumiert, als gäbe es kein Morgen. Nach uns die Sintflut, nach uns die Einschränkung & Genügsamkeit. Und die Werbe-Industrie tut alles dafür, den Karren auf hoher Drehzahl am Laufen zu halten. Nicht erst seit gestern. Bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde ein Kartell geschaffen, um die Lebensdauer von Glühbirnen zu begrenzen. Im Laufe der Jahrzehnte sind Bürgerinnen & Bürger immer mehr zu Konsumentinnen & Konsumenten geworden. Haben sich immer mehr Menschen im obsessiven Konsum-System verloren und käufliche Werte über andere gestellt. Ich konsumiere, also bin ich ...

In der Werbung geht es meist darum, in einem der drei folgenden Bereiche Bedürfnisse zu befriedigen oder – noch besser – zum Leben zu erwecken: Abenteuer, Status und Sicherheit. Die Werbung verkauft uns „Persönlichkeits-Verstärker", wie ich es gerne formuliere. Ein tolles Kleidungs- oder Schmuckstück, ein schicker Event, eine romantische Reise, das neuste technologische „Spielzeug", eine attraktive Kapital-Anlage, eine traumhafte Immobilie etc. Ohne das flotte Cabrio hat so manch einer das Gefühl, einen guten Teil seines Charmes eingebüsst zu haben ...

Und die Werbung arbeitet mit Hochdruck am Ausschalten der Filter, die der Mensch entwickelt hat, um bei mittlerweile über 5'000 Werbe-Impulsen täglich nicht den Verstand zu verlieren. Mit immer kreativeren Methoden, wie wir gleich noch sehen werden. Kreativität, die allerdings der herkömmlichen Werbung immer mehr abgeht ...
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