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Top 12 aus „Kalkofes Mattscheibe/Rekalked“

Ich habe schon öfter über meine im Grunde einfache Erwartung ans Fernsehen geschrieben: Gute Unterhaltung (auf welchem Niveau auch immer…) und/oder irgend eine Form ansprechender Horizont-Erweiterung. Leider bleibt es häufig bei der Erwartung …

Was nicht heisst, dass man nicht hin & wieder sogar auf beides stösst: Richtig gute Unterhaltung plus ansprechende Horizont-Erweiterung. Bei neueren amerikanischen TV-Serien beispielsweise. Oder hierzulande etwa bei Oliver Kalkofes „Mattscheibe“. Ich mochte „Kalkofes Mattscheibe“ in den 90er Jahren, und ich mag natürlich auch die Neu-Auflage „Kalkofes Mattscheibe Rekalked“. Es gibt zurzeit – meiner Meinung nach – wenig bessere Unterhaltung im deutschsprachigen Fernsehen. Unlängst strahlte der deutsche Privat-Sender Tele 5 mit „The Final Kalkdown – 20 Jahre Mattscheibe!“ die 100 besten Folgen aus zwei Jahrzehnten „Mattscheibe“ aus, gewählt von den Zuschauer/innen. Ein freudiges Wiedersehen mit vielen bekannten & beliebten „Mattscheibe“-Episoden!

Allerdings fehlten mir auf den vorderen Plätzen einige meiner ganz persönlichen Favoriten – ich muss daher unbedingt nachlegen! Ich beschränke mich dabei auf 12 Episoden, damit die Liste nicht zu umfangreich wird. Ich hätte auch 25 aussuchen können … mindestens … denn es gibt so viele tolle Folgen (wo kann man das schon mal sagen?). Und es kommen glücklicherweise laufend neue dazu …

Hier also meine Auswahl:

1. FATAL à la KALKOFE
2. CREMEN à la KALKOFE
3. ENERGIE à la KALKOFE
4. BALLERMANN à la KALKOFE
5. SCHLAGER à la KALKOFE
6. MÖPSE à la KALKOFE
7. REALITY-TV à la KALKOFE
8. LIEBE à la KALKOFE
9. TELEFONIEREN à la KALKOFE
10. UNTERWÄSCHE à la KALKOFE
11. TRANSPARENZ à la KALKOFE
12. ZAUBERN à la KALKOFE

Gleich mehr zu den einzelnen Clips. Einleitend noch ein paar Sätze zum Thema Fernsehen im Allgemeinen …


Rund 4 Stunden täglich (!) werden im deutschsprachigen Raum durchschnittlich vor der Mattscheibe verbracht. Die Menschen glotzen halt immer noch am liebsten vor dem grössten Bildschirm im Haus – und das ist in der Regel der Fernseher. Auch wenn viele – v.a. jüngere – Zuschauer/innen gleichzeitig an einem zweiten Gerät herumdrücken (Pad, Phone etc., im Fach-Jargon „Second Screen“, also zweiter Bildschirm).

Gute Unterhaltung und/oder ansprechende Horizont-Erweiterung sind allerdings – wie wir nur allzu gut wissen – Mangelware. Viel zu oft bleibt beim Fernsehen ein vages Gefühl von Verdruss & Zeit-Verschwendung zurück. Das Fernsehen erscheint einem häufig als Abflussrohr der Welt ins Wohn- oder Schlafzimmer, das TV-Programm lediglich als Überbrückung von einer Werbe-Insel zur nächsten.

Satiriker, Autor & Schauspieler Oliver Kalkofe – der Macher von „Kalkofes Mattscheibe/Rekalked“ – spricht Klartext: „Heute geht es nur noch darum, wie man mit wenig Geld & Mühe am meisten Sendeplatz füllt. Der Grossteil des heutigen Programms ist einfach nur ein Riesen-Haufen Elefanten-Sche!sse – und die Verantwortlichen wissen es auch selber. Diese Sendungen will niemand sehen, nicht einmal die Macher selbst, man macht Programme und lacht über die Leute, die sich den Müll tatsächlich anschauen. Man produziert so schnell & billig, dass es kurzfristig selbst als Flop noch ein Plus erwirtschaftet, aber langfristig macht es die Sender kaputt, weil man sich das eigene Profil ruiniert – und irgendwann merkt das auch das Publikum und verabschiedet sich. Herz, Spass und Verantwortung dem Publikum gegenüber – für diese Begriffe wird man heutzutage im Fernsehen eher ausgelacht. Und die Öffentlich-Rechtlichen sind feige und verstecken sich. Sie müssten innovativ, mutig & kreativ vorgehen und uns jeden Tag neu überraschen. Sie sollten eigentlich zeigen, wie man es besser macht, müssten für kontroverse Diskussionen sorgen – sie dürfen das und wir bezahlen sie sogar dafür. Stattdessen schwimmen sie in der gleichen lauwarmen Suppe wie vor 30, 40 Jahren und man versucht, bloss nicht aufzufallen und es der ganzen Familie vor dem Fernseher recht zu machen. Nur gibt es die nicht mehr so wie damals. Statt Innovation herrscht kreativer Stillstand: Wenn man nur schnell genug stillsteht, sieht es fast so aus, als würde man sich bewegen.“

Und weiter: „Die Redakteure hassen ihr eigenes Programm. Sie lachen über die Zuschauer – man glaubt gar nicht, mit welcher Verachtung über das Publikum gesprochen wird. Das hat nichts mehr damit zu tun, dass dort Leute sässen, die an ihre Sachen glaubten. Wenn jeder Redakteur gezwungen wäre, sich das Programm seines Senders vom Anfang bis zum Ende anzusehen, würden sie garantiert vieles anders machen wollen. Denn um sich das anzuschauen, ist die Lebens-Zeit zu schade.“

Man würde gerne widersprechen. Man würde auch gerne widersprechen, wenn Kalkofe feststellt, dass „Moderatoren vom Schlage Lanz & Co. alle glatt gelutscht & gleichgeschaltet“ sind.

Immerhin entlarvt Oliver Kalkofe die Misere der heutigen Fernseh-Landschaft in immer neuen wunderbaren „Mattscheibe“-Folgen. Auf seine einmalig-charmant-demaskierende Art. „Das eitrige Furunkel am @rsch der Unterhaltung“ bezeichnet sich Kalkofe selber. Aber zwischen den Zeilen schimmert immer seine grosse Liebe zum Medium Fernsehen durch – die ihm einfach bloss vermiest wird im heutigen trashig-billig-lieblosen TV-Geschäft. Der Meister (Jahrgang 1965) bekennt denn auch freimütig: „Ich bin mit Fernsehen aufgewachsen. Der Fernseher war mein einziger Freund, bis ich den Video-Rekorder kennenlernte. Da hatte ich einen zweiten.“ Aber eben, mit der Freundschaft ist das so eine Sache …

Viel Spass mit meiner kleinen Auswahl!


1. FATAL à la KALKOFE

Das Tele-Shopping ist ein Dauerbrenner in der „Mattscheibe“ – ein Fixstern im weiten Universum der TV-Absurditäten. Immer mehr (v.a. private) Fernseh-Sender müssen immer mehr Sende-Zeit auf immer mehr Kanälen auf irgend eine Art & Weise „füllen“. In zuschauer-schwachen Zeiten tun sie dies meistens mit billigen, weitgehend überflüssigen Programmen wie etwa Tele-Shopping. Gerade kleinere Privat-Sender, die sich in der Regel selber finanzieren müssen, vermieten Sende-Zeit an alle (un)möglichen Anbieter. Daneben berieseln eigene Verkaufs-Sender die geneigte Zuschauerschaft gleich rund um die Uhr mit Tele-Shopping-Angeboten aller Art. Jeder kennt die nervigen Verkaufs-Sendungen mit dauer-grinsenden, gebleichte Zähne fletschenden Moderatorinnen & Moderatoren, die irgendwelche mehr oder weniger überflüssigen Waren anpreisen – und meist auch verkaufen.

Wenn heisse Luft auf langen Atem trifft … sind wir im Tele-Shopping.

Sinken die Mundwinkel einmal kurz nach unten, erinnert die Regie einfach an die fetten Einnahmen – und schwupps, schon wieder sitzt das künstliche Grinsen wie angegossen. Nach dem immer gleichen Motto: Melke die (Zuschauer-)Kuh, solange sie Milch gibt. Egal, ob mit überteuerter Kosmetik, mit Mode für die Besenkammer, bizarren Fitness-Geräten, wundersamen Saft-Pressen oder hundert anderen Dingen mehr. Oder etwa mit kitschigen Klunkern, die man sich erst einmal schön-trinken muss – wie im folgenden „Mattscheibe“-Klassiker:

Fatal Rekalked (2 Minuten)
https://www.youtube.com/watch?v=LufkmF9QFdc&feature=youtu.be

Lieblings-Ausschnitt:
„Fataaal! Fataaal! Fataaal! – Stösschen!“


2. CREMEN à la KALKOFE

Und gleich noch ein Vertreter aus dem weiten Feld des skurrilen Tele-Shoppings. Tele-Shopping ist ja auch ein gutes Geschäft für allerlei mehr oder weniger Prominente, die ihren Namen für meist überteuerte & unsinnige Produkte hergeben und diese auch gelegentlich selber in die Kameras halten.

Andy Warhol wusste es bekanntlich als Erster. "In der Zukunft", prophezeite der Pop-Art-Papst in einem legendären Statement von 1968, "wird jeder für 15 Minuten berühmt sein. Und es wird keinen Unterschied machen, wofür da einer berühmt ist, die Macht der Medien reicht als Antwort." Amen – so ist es geschehen. Es tauchen immer mehr Prominente auf, die schlicht & einfach dafür bekannt sind, bekannt zu sein. Die ganzen Casting-, Reality-, Doku- und ähnlichen Formate und ihr mediales Umfeld generieren als eine Art Durchlauf-Erhitzer eine sich laufend erneuernde Klasse von Prominenten auf Zeit. Spezifische Kompetenzen oder herausragende Leistungen sind nicht mehr zwingend notwendig. Nichts können – das aber besonders gut – kann durchaus ausreichen. Medien-Wissenschaftler Jo Groebel nennt dieses Phänomen die „Demokratisierung der Prominenz“: Prominent ist, wer prominent ist. Das ist ein selbst-referenzielles System geworden. Je häufiger jemand abgebildet wird, desto prominenter ist er. Prominenz heisst Wiedererkennungs-Wert, Sende-Zeit, Raum in entsprechenden Gazetten. Aufmerksamkeit wird zum Wert an sich, Beachtung zum zentralen Kapital. Das Verlangen wächst der Befriedigung ganz schnell nach.

Dabei kann Andy Warhols berühmter Ausspruch „Jeder kann in Zukunft für 15 Minuten ein Star sein“ auch nach Belieben abgewandelt werden. Zum Beispiel in „Jeder kann ein Star sein, der beinahe 15 Minuten lang mit einem Star geschlafen hat“, wenn ich das mal salopp formulieren darf. Oder auch einer, der Strass & Glitter auf alle Klamotten spachtelt und anschliessend nahtlos zum Weiter-Schmieren auffordert:

Cremen Rekalked (2 Minuten)
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=77yTi3RvMlU

Lieblings-Ausschnitt:
„Diese Creme: Damit können Sie sich von morgens bis abends eincremen – oben rum, unten rum, hinten rum, anders rum – und wenn Sie zu Ende gecremt haben, dann fangen Sie einfach wieder von vorne an! Damit Sie nicht mehr so faltig sind, so runzlig, so eeeklig. Man kann Sie sich ja langsam nicht mehr anschauen, das ist ja widerlich. Sie können diese Creme auch als Haar-Gel benutzen, als Spachtel-Masse, als Fugen-Kitt, als Brot-Aufstrich. Sie können sie auch so auslöffeln, dann kriegen Sie einen ganz faltenfreien Magen. So, meine lieben Damen & Herren, jetzt KAUFEN Sie, KAUFEN Sie, KAUFEN Sie, KAUFEN Sie, KAUFEN Sie, KAUFEN Sie – ja, ganz egal was, Hauptsache es ist von MIR. Kaufen Sie. Sonst quassle ich immer weiter Ich kann beim Reden durch den Hintern Luft holen …“


3. ENERGIE à la KALKOFE

Auch Esoterik-Sendungen sind ein Dauerbrenner in der „Mattscheibe“ – und auch hier geht‘s um „Füllen“ von Sende-Zeit in zuschauer-schwachen Stunden mit billigen Programm-Inhalten bzw. um Finanzierungs-Beiträge.

Dass die Esoterik-Welle so richtig hochschwappt, erstaunt nicht wirklich. Wir leben in einer Zeit zunehmender Orientierungslosigkeit und leider auch zunehmender Vereinsamung. Religiöse Inhalte brechen weg, politische, wirtschaftliche und andere Vorbilder überzeugen nicht mehr, die Familien-Strukturen haben sich verändert etc. Viele Menschen haben niemanden, der ihnen zuhört, sie ernst nimmt, ihnen einigermassen vernünftige Ratschläge gibt oder sie einfach mal in den Arm nimmt. Ein idealer Nährboden für Esoterisches aller Art. Viele Menschen auf der Suche nach Sinn, Halt und ein bisschen Geborgenheit sind nur allzu empfänglich für alle möglichen Eso-Angebote: Wahrsagen, Karten-Legen, Astrologie & Numerologie, Engel-Botschaften, Schamanische Rituale, Karma- & Aura-Arbeit, Kommunikation mit Tieren & Toten, Vollmond- & andere Rituale, esoterische Produkte & Hilfsmittel aller Art, Energie-Übertragungen oder anderem mehr. Auch wenn sich manches als Binsen-Wahrheit oder Küchen-Psychologie (oder schlimmer) entpuppt. Vor vier Jahren machte das Schweizer Konsumenten-Magazin „Kassensturz“ einen Test beim grössten Schweizer TV-Esoterik-Anbieter. Eine Mitarbeiterin fragte verschiedene Beraterinnen & Berater, ob sie früher oder später ein Kind bekomme. Bald war man ein paar Hundert Schweizer Franken ärmer, aber nicht wirklich gescheiter: Die Mitarbeiterin kriegte ein Mal ein Kind, zwei Mal zwei Kinder, ein Mal gar keines. Und falls doch, ein schwieriges.

Letztlich ist der milliarden-schwere Esoterik-Markt nichts anderes als ein Spiegel einer zunehmend sinn-entleerten, vereinsamenden Gesellschaft. Nur logisch, dass kommerzielle Anbieter in die Lücke springen und dem Bedürfnis so vieler Menschen nach Orientierung, Konversation und Geborgenheit mit esoterischen Produkten & Dienstleistungen begegnen. Energie-Bär zum Kuscheln gefällig?

Energie Rekalked (5 Minuten)
http://www.youtube.com/watch?v=N4yCxerugr4&feature=player_detailpage

Lieblings-Ausschnitt:
„Aber sag doch mal, wie kannst Du denn ganz allein so viel Energie herstellen für all die vielen Bären?“ – „Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung als Atom-Kraftwerk. Ich trage zwei Turbinen im Schlüpfer, vorn für Wasser und hinten für Windkraft. Und der Torf-Klumpen in meinem Kopf kann als fossiler Brennstoff genutzt werden.“


4. BALLERMANN à la KALKOFE

Ein weiterer Dauerbrenner in der „Mattscheibe“ sind schleimige Schlager bzw. belämmerte Musik ganz allgemein. Der alte Voltaire hätte seine Freude daran gehabt: „Alles, was zu dumm ist, um gesprochen zu werden, wird gesungen.“ Und sowieso braucht man den passenden Sound, wenn man sich ordentlich die Rübe fluten will ...

Autor & Journalist Michael Jürgs ortet „ein generationen-übergreifendes gesamtdeutsches Bedürfnis nach der Seichtigkeit des Seins. Mittlerweile ist eine ganze Generation von Deutschen – hier stimmt endlich mal der Begriff ‚Generation‘! – aufgewachsen mit Tutti-Frutti-TV. Mitschuldig am Zustand einer Gesellschaft diesseits aller Tabus sind gleichgültige Eltern und frustrierte Lehrer und moral-freie Manager und geschwätzige Politiker – aber auch wir Journalisten, die sich übers dumme Volk und seine Helden lustig hermachten und dadurch ungewollt viele unbedarfte Deppen zu Stars hochgeschrieben haben. Prominente Null-Nummern werden von Gossen-Guys & -Girls in bunten Blättern oder TV-Magazinen schon in dem Moment als kultig bezeichnet, wenn sie bei ihren Auftritten von pubertierenden Kreisch-Kindern bedrängt oder auf Jahrmärkten der Eitelkeiten umschwärmt werden, obwohl sie eigentlich nichts weiter können als zu massieren, zu frisieren, zu frittieren. Es gab Zeiten, da hätte man ihnen nicht nur geraten, sondern befohlen, uns mit ihren Dummheiten zu verschonen und sich auf- oder untereinander zu vergnügen – aber das ist lange her. Am Tag, an dem sie eine für die Werbung relevante Ziel-Gruppe wurden, begann ihr Aufstieg.“ Egal, ob im Bereich Casting, Reality, „Scripted Reality Doku Sh!t", Ballermann oder wo auch immer. Egal, ob blutjung oder schon ein bisschen angejahrt …

Michael Jürgs weiter: „Zur Unterhaltung würde Haltung passen. Wer die hat, fällt grundsätzlich nicht unter ein gewisses Niveau. Wer sie nicht hat, hält alles für unterhaltend, was irgendwie singt & tanzt & schunkelt & zotet – und vor allem: quotet.“ Beispiel gefällig? Bitteschön:

Ballermann Rekalked (6 Minuten)
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=gR1IR1295jc

Lieblings-Ausschnitt:
„Ich hab‘ Dich nicht betrogen, mein Pimmel ist falsch abgebogen …“


5. SCHLAGER à la KALKOFE

Und gleich noch ein weiterer Ausflug ins Schlager-Paradies. Heute beanspruchen bekanntlich Kommunikations-Profis als „Gestalter der Wirklichkeit" die Deutungs-Hoheit in den Medien und sind dafür besorgt, dass Image & Message möglichst fadengerade zum lieben Konsumenten gelangen. Für leidenschaftliche Selbst-Darsteller & Interessen-Vertreter aller Art ist „Authentizität“ nichts anderes als ein weiteres Marketing-Label. „Im Medien-Zirkus geht es darum, ehrlich zu sein – wenn du das vortäuschen kannst, hast du es geschafft", wusste schon die amerikanische Entertainment-Legende George Burns.

Manchmal fällt aber doch in einem unbedarften Moment die sorgfältig zurechtgelegte Maske – und eine „echte“ Regung kommt zum Vorschein. Und man glaubt die Frau gleich sagen zu hören: „Ich dachte nicht, dass du das ausposaunst.“ Und hört den Mann im Gedanken antworten: „Siehst du, du unterschätzt mich eben immer.“

Wer hält hier eigentlich wen für wie dumm? Nein, nicht antworten – nur anschauen:

Schlager Rekalked (5 Minuten)
https://www.youtube.com/watch?v=bW2PD70MYIE

Lieblings-Ausschnitt:
„Wenn der Wendler redet, schweigt die Welt …“


6. MÖPSE à la KALKOFE

Vielleicht fehlen den Wendler-Texten einfach diese kleinen „intellektuellen Zweideutigkeiten“, die nur die helleren Köpfe unter uns auf Anhieb erfassen.

Aber der Reihe nach. Wenn man als Gattin eines irgendwie prominenten bzw. betuchten Mannes ein bisschen in die Jahre gekommen ist, die Model-Karriere schon lange zurück liegt und der Alkohol vielleicht bereits in Griffweite, wird es Zeit für eine gehobene Beschäftigungs-Therapie namens Charity. Ein taufrisches Betätigungs-Feld für nicht mehr ganz taufrische Damen, sage ich mal ein bisschen uncharmant, wo man sich wohlig im Blitzlicht der Wohltätigkeit sonnen und sich ach so interessiert am Wohlergehen nicht ganz so privilegierter Mitmenschen zeigen darf. Oder sich für die bedrohte Natur einsetzt. Oder für Tiere. Oder für den Welt-Frieden. Welt-Frieden ist immer gut. Hauptsache Sehen & Gesehen-Werden. Und da darf auch ruhig geklotzt werden – sei es nun bei den neuen Designer-Roben & Schmuck-Auslagen der Damen, beim Fest-Schmaus oder beim Entertainment. Im folgenden Fall etwa bei der mopsigen Gesangs-Einlage eines Meisters der kleinen Zweideutigkeiten für gehobene Ansprüche.

Um welchen (guten) Zweck es bei Benefiz-Veranstaltungen gerade geht – Robben-Armut in Afrika oder Kinder-Sterben im Dschungel-Camp – ist allerdings eher sekundär, wie Autor & Journalist Thomas Wieczorek so schön sagt. Bei der folgenden gesanglichen Sättigungs-Beilage denkt man unwillkürlich an Drehbuch-Autor & Schriftsteller Charles Lewinsky: „Fernsehen ist kein elitäres Medium. Aber es gibt zwischen totaler Volks-Verarschung und elitärem Gesabbel noch mehrere Zwischen-Stufen.“ Und auch mehrere Zweideutigkeiten:

Möpse Rekalked (2 Minuten)
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=SJWqN6WXg-8

Lieblings-Ausschnitt:
„Ist Ihnen wahrscheinlich gar nicht aufgefallen – aber auch da habe ich so eine kleine, feingeistig-ferkelige Schelmerei für die intellektuelle Elite eingebaut.“


7. REALITY-TV à la KALKOFE

Um Möpse geht es auch im folgenden Video – wenngleich nur am Rande. Neben Casting-Formaten haben auch sogenannte Reality-Formate die Fernseh-Landschaft der letzten Jahre entscheidend mitgeprägt. Sie tauchen unter verschiedenen Bezeichnungen wie etwa Reality-TV, Reality-Show, Factual Entertainment, Report, Pseudo-Reality-TV, Scripted Reality, Scripted Docu, Reality Soap, Docutainment, Doku-Soap, Doku-Novela, Doku-Drama oder ähnlich auf. Dabei finden sich unterschiedliche Mischungs-Verhältnisse von Wirklichkeit & Inszenierung. Der genaue Inszenierungs-Grad beim munteren Mixen von Fakten & Fiktion lässt sich jedoch nicht eindeutig an der Bezeichnung erkennen.

Man kann ganz grob zwei Kategorien unterscheiden: „Reality-TV“ heisst nichts anderes als Fernsehen, das irgendeine Form von Realität darstellt (z.B. „Big Brother“). Man könnte auch von Dokumentation sprechen. Dabei findet immer auch eine gewisse Inszenierung, Verdichtung & Erhöhung statt, die je nach Format unterschiedlich stark ausfällt. Sie sollte jedoch nur unterstützend und nicht prägend sein. Da die Inszenierung in den letzten Jahren aber überhand genommen hat, ist der Begriff der „Scripted Reality“, also der „Wirklichkeit nach Script/Drehbuch“ entstanden. Hier wird von A – Z alles inszeniert: Die Geschichte, die Personen, die Emotionen, die Ausstattung, die Lokalitäten etc. Die Handlung ist der Feder eines Drehbuch-Autors entsprungen und wird meist von Laien-Darstellern in deren eigenen Worten verkörpert (die Drehbücher beschreiben grob die Szenen, das ist schnell & billig). Der Übergang von „Reality“ zu „Scripted Reality“ ist natürlich fliessend. Dem Zuschauer wird ohnehin nicht gerne unter die Nase gerieben, dass es sich bei einem Format um Scripted Reality, also pure Inszenierung handelt. Das wird lieber nur ganz klein im Abspann erwähnt.

Für viele der heutigen Casting- & Reality-Protagonisten gelten folgende Voraussetzungen: Vielseitig unbegabt. Nichts können, das aber richtig gut. Und zu nichts Besonderem, dafür zu allem fähig sein. Oder in den Worten von Autor & Journalist Michael Jürgs: „Halb-Deppen wurden über Nacht zu Halb-Göttern, unbekannte strohdumme Blondinen zu bekannten strohdummen Blondinen.“ Aber schauen Sie am besten selber:

Reality-TV Rekalked (8 Minuten)
http://www.youtube.com/watch?v=b2fZC52Id2w&feature=player_detailpage

Lieblings-Ausschnitt:
„Oh, mein Gott! Was ist denn da passiert? Also nicht bei den vier hellhaarigen Hirn-Toten, ich meine eher: Wer um alles in der Welt bestellt bitte so eine stink-langweilige Konsum-Schnepfen-Doku über blöd-blondierte Society-Pissnelken? Alle gesegnet mit falschen Haaren, falschen Brüsten und falschem Lächeln – aber echter Doofheit, immerhin!“


8. LIEBE à la KALKOFE

Wem der passende Partner fehlt, dem kann heute ganz einfach geholfen werden: Dank moderner Technik & passender Software. Suggeriert einem zumindest die Werbung – oder besser gesagt eine bestimmte Werbung.

Es gibt diesen schönen Satz von Schriftsteller Wolf Wondratschek: „Für die grosse Liebe braucht es zwei Einzelgänger und ein Gebet.“ Für die kleine Liebe, möchte man anfügen, reichen auch zwei Menschen auf der Suche nach Aufmerksamkeit und eine Kamera. Plus ein richtig schlechtes Werbe-Script. Das einen glauben machen soll, mit einem kurzen Namens-Abgleich via Handy lasse sich gleich mal das mögliche Lebens-Glück abchecken. Aber es soll ja auch Menschen geben, die haben „Love Story“ 10 x gesehen und jedes Mal gehofft, diesmal stirbt sie nicht.

Wenn’s aufgrund des falschen Namens dummerweise doch nicht klappen sollte, hilft vielleicht eine andere (ebenfalls reale) Werbung eines amerikanischen Bestattungs-Unternehmens: „Warum leben, wenn Sie schon für 10 Dollar beerdigt werden können?“

Liebe Rekalked (1 Minute)
http://www.youtube.com/watch?v=xJhIu8af7uM&feature=player_detailpage

Lieblings-Ausschnitt:
„Ich tipp‘ mal ein: Herz, die Tante da und ich – 100%, super! Dann geh‘ ich doch gleich mal rüber und nØØdle die durch, wenn mein Jamba-Knatter-App mir das befiehlt! Wow – endlich mal eine Erfindung, die die Welt wirklich braucht! Und klappt garantiert immer: Philipp & Angela, Arsch & Eimer, immer super Werte!“


9. TELEFONIEREN à la KALKOFE

Und wenn wir gerade beim Telefonieren sind, bleiben wir noch kurz dabei. Telefonieren soll ja bekanntlich krank machen – die Strahlen und so … Vielleicht kommt es aber mehr darauf an, mit wem man spricht. Oder in diesem Fall: Wem man zuhört.

Nicht jeder Furz ist gleich ein frischer Wind – und im nächsten Video schon gar nicht. Aber das muss ja nicht gleich jeder merken … Studien deuten darauf hin, dass dem Fernsehen grundsätzlich sehr leicht die Realitäts-Behauptung geglaubt wird – quer durch die Programm-Vielfalt hindurch. Die Machart setzt sich gegenüber dem Inhalt durch – und die ständige Verfügbarkeit setzt noch einen drauf. Ein dauerhafter Konsum billig-seicht-trashiger bzw. kommerzieller Sendungen kann unseren Begriff von Wahrhaftigkeit nachhaltig verändern.

Angesichts der vielen kommerziellen Programme kann es nicht schaden, sich von Zeit zu Zeit wieder mal daran zu erinnern, dass es all diese Sendungen nur deshalb (immer noch) gibt, weil die geneigte Zuschauerschaft auch kräftig kauft & cremt & spachtelt und immer wieder kauft. Und Kaufen/Konsumieren ist letztlich abstimmen. Ich sage immer, Abstimmen tut man am Supermarkt-Regal bzw. beim Einkaufen generell (oder etwa beim Tele-Shopping) – und nicht wirklich an der Urne.

Telefonieren Rekalked (5 Minuten)
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=sOBTf_9MecA

Lieblings-Ausschnitt:
„Aber durch dieses Komfort-Angebot können Sie jetzt endlich bei jedem Wetter telefonieren, sogar wenn es draussen kalt ist.“


10. UNTERWÄSCHE à la KALKOFE

Hier kommt ein weiterer Klassiker aus der unerträglichen Seichtigkeit des Tele-Shoppings. Jetzt, wo man auch telefonieren kann, wenn’s draussen kalt ist, braucht man natürlich auch etwas Warmes für drunter … Warum also nicht gleich mehrere BHs übereinander anziehen, liebe Damen? Hält schön warm & platt und überdies die Männer fern …

Klappt’s nicht mit irgendeiner TV-Sendung, tut’s für viele auch das Tele-Shopping. Frei nach Michael Jürgs: „Moderatorinnen & Moderatoren, deren IQ dem ihrer Kandidaten ähnelt, mal zwei Punkte drüber, mal drei darunter, gibt es in allen Anstalten. Trotz ihrer natürlichen Unterschiede wie gefühlte Oberweite, gefönte Frisur, getürktes Alter haben sie und ihre Ziel-Gruppen ein gemeinsames Ziel – nämlich aufzutreten, egal wo, egal wie, egal warum, egal mit wem.“

In einer anderen „Mattscheibe“-Folge, wo es um einen kuschligen Schal, kuschlige Küken und einen kuschligen Klaus geht, bringt Oliver Kalkofe das Tele-Shopping messerscharf auf den Punkt:

„Bist Du den Männern scheiss-egal, kauf Dir einen Kuschel-Schal! –
Und bist Du clever & bekloppt, verkaufst Du ihn im Tele-Shop!“


Unterwäsche Rekalked (3 Minuten)
http://www.youtube.com/watch?v=tvQgXeGZ640&feature=player_detailpage

Lieblings-Ausschnitt:
„Und ausserdem geht mir mein Mann nicht mehr so auf die Eierstöcke wie früher. Denn wenn er mal Sex möchte und ich mich ausziehe, ist er spätestens nach dem 12. Ahh-Bra eingeschlafen …“


11. TRANSPARENZ à la KALKOFE

Oliver Kalkofe macht auch vor Politikern nicht halt. Legendär sind etwa seine Parodien des ehemaligen deutschen Bundes-Präsidenten Christian Wulff …

Ich behaupte: Die Menschen sind nicht Politik-, sondern Politik-ER-verdrossen … Denn wenn wir so salopp von „Politik“ sprechen, müssen wir ganz klar zwei Dinge unterscheiden: Erstens gibt es Gesellschafts-Politik, wo es um Rahmenbedingungen für eine lebenswertere Gesellschaft geht. Rahmenbedingungen für eine bessere, beschwingtere, nachhaltigere, lebenswertere Gesellschaft für uns alle. Und das geht uns natürlich alle an, und in diesem Sinne sind wir alle „politisch“ – oder sollten es zumindest sein. Wenn wir heute von „Politik“ sprechen, geht es allerdings meistens (lediglich) um Partei-Politik, sprich Interessen-Vertretung, also einen ganz anderen Hintergrund. Dabei stehen knallharte wirtschaftliche & ähnliche Interessen im Vordergrund. Kabarettist & Schauspieler Dieter Hildebrandt hat das wunderbar auf den Punkt gebracht: „Politik ist nur der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt. Wenn man die Menschen schnell genug über den Tisch zieht, halten sie die Reibungs-Hitze für Nestwärme …“ Ach Dieter … er fehlt …

„Das Rückgrat ist bei vielen Politikern unterentwickelt – vielleicht weil es so wenig benutzt wird“, stellte schon Margaret Thatcher fest. Man lebt ganz unbekümmert nach dem geflügelten Wort „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern …“. Da darf man sich nicht wundern, dass sich immer mehr Bürgerinnen & Bürger wünschen, der eine oder andere Politiker möchte doch an seinem Ersprochenen ersticken:

Transparenz Rekalked (3 Minuten)
https://de.screen.yahoo.com/ehrliche-politiker-080000953.html

Lieblings-Ausschnitt:
„Transparenz-Regeln sind notwendig – vor allem aber immer bei anderen, und nicht bei einem selber …“


12. ZAUBERN à la KALKOFE

Und zum Schluss wird noch so richtig gezaubert …

Wer von uns hätte sich das nicht schon mal gewünscht: Einen mega-starken Power-Mixer, der alles zu Staub zerkleinert, was ihm in die Maschine kommt bzw. was man schon lange mal loswerden wollte: Schmutzige Wäsche oder Haus-Müll, ein fremdes Auto auf dem Parkplatz, Afrika, der kalte Nordpol oder vielleicht auch ein nerviger Ehemann – kein Problem, einfach rein damit in den handlichen Power-Problem-Löser! Und kein Columbo der Welt kann einem noch etwas nachweisen …

Aber Vorsicht, warnt Filme-Macher Bully Herbig: „Das sind keine Sternschnuppen. Das sind Sperrmüll-Entsorgungen der Klingonen vom Planeten Quantafax. Wer sich da was wünscht, ist selber schuld.“

Zaubern Rekalked (3 Minuten)
https://www.youtube.com/watch?v=hreqtV_f2CI&feature=player_detailpage

Lieblings-Ausschnitt:
„Du willst freien Blick aufs Mittelmeer – weg mit den Alpen, einfach weg damit!“

Wäre es nicht schön, wenn man mit diesem Power-Mixer auch gleich noch die ganzen seicht-schlecht-billig-lieblos-überflüssigen TV-Inhalte entsorgen könnte? Aber da hilft wohl so schnell kein Zauber …

Meister Kalkofe resümiert wie folgt: „Der Verstand ist das Billy-Regal des Bewusstseins. Nur aufbauen & einräumen muss man es selber. Platz ist genug da, und manche Menschen wissen ihn auch zu nutzen, indem sie die Fächer so voll wie nur möglich packen, mit Büchern, Kunst, Spass, Ideen, Wissen & Erfahrungen. Andere stellen einfach ein paar rosa Porzellan-Schweine rein und klatschen in die Hände. Die Verwendungs-Möglichkeiten sind mannigfaltig.“

Und Musiker Sting schliesst: „Ich schaue mir lieber ein gutes Feuer im Kamin an oder einen Sonnen-Untergang als irgend einen Blödsinn im Fernsehen.“

In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen/Euch allen einen warmen, sonnigen Sommer!



PS: Und wer noch nicht genug hat (und man hat nie genug …):

Pfanne Rekalked (2 Minuten)
https://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=eVoKZa0ihcI


Mehr inspirierende Videos zu diversen Themen (rechte Kolumne):
www.besser-fernsehen.ch



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